Produktpiraterie erwirtschaftet in Italien jährlich mehr als Pirelli

10. März 2006, 17:32
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10.000 Personen 2005 angezeigt - Fast ein Viertel der CDs, die in Italien hergestellt werden, sind Raubkopien

Italien startet mit einer Großoffensive gegen die Produktpiraterie, die im Stiefelstaat jährlich mehr als ein Großkonzert der Dimension des Reifenproduzenten Pirelli umsetzt. 2005 flossen in die Taschen der Produktpiraten über sieben Mrd. Euro und die Tendenz ist steigend. Gegen die zunehmende Zahl von geklonten Produkten drängt Italien auf die Einrichtung einer Behörde auf europäischer Ebene zur Bekämpfung der Produktpiraterie, berichteten italienische Medien.

67 Millionen gefälschte Produkte

2005 wurden in Italien wegen geklonter Produkte über 10.000 Personen angezeigt, 600 Menschen wurden festgenommen. 67 Millionen gefälschter Produkte wurden beschlagnahmt. 60 Prozent der Raubkopien stammen aus China, wo vor allem gefälschte CD, VHS und DVD, aber auch Accessoires, Taschen, Autoersatzteile hergestellt werden. Sogar Nahrungsmittel und Arzneien werden inzwischen geklont.

1.700 Prozent Umsatzsteigerungen

In 70 Prozent der Fälle stammen die Produkte aus Asien. Wegen Produktpiraterie gehen auf dem legalen Arbeitsmarkt tausende Jobs verloren, berichtete der Generaldirektor des italienischen Industriellenverbands Confindustria, Maurizio Beretta. In den vergangenen zehn Jahren ist der Umsatz mit gefälschten Markenprodukten um 1.700 Prozent gestiegen, was im EU-Raum zum Verlust von 125.000 Arbeitsplätzen geführt hat.

DVD und CD

Die Italiener lieben geklonte Waren. 86 Prozent der Italiener, die Imitationen kaufen, erwerben die billigen Waren aus Gründen der Ersparnis. Sechs Prozent der Befragten erklärten, sie wollten Geschäfte und Unternehmer für ihre hohen Preise bestrafen. Zwei Prozent behaupteten, dass die Qualität der Plagiate nicht schlechter als die der Originale sei. 48 Prozent erwerben Kleider, 14 Prozent Accessoires, zehn Prozent DVD und CD, elf Prozent Lebensmittel und Getränke. 87 Prozent der gefälschten Produkte werden von fliegenden Händlern gekauft.

Bis zu drei Jahre Haft

In Italien ist seit 2004 ein Gesetz in Kraft, das Strafen bis zu drei Jahren Haft für Fälscher von CDs, Videos, Softwareprogrammen und Smartcards für digitale Pay-TV-Sender vorsieht. Wer von Straßenhändlern gefälschte CDs kauft, kann wegen Hehlerei angezeigt werden. Die Hälfte der in Italien verwendeten Smartcards für Pay-TV-Sender sind gefälscht.

EIn Viertel sind Raubkopien

Fast ein Viertel der CDs, die in Italien hergestellt werden, sind Raubkopien. Im vergangenen Jahr wurden elf Mio. illegale CDs verkauft. Italien erweist sich somit in Sachen Produktpiraterie als europäischer Spitzenreiter. In der weltweiten Rangordnung der Länder, die Plagiate exportieren, findet sich Italien auf Platz fünf nach Taiwan, Hongkong, Singapur und Macao. Der Markt für Produktpiraterie wird europaweit auf 4,5 Mrd. Euro geschätzt. Italienische Hochburg der Fälscher, die oft Verbindungen zur Mafia haben, ist Neapel.(APA)

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