Porträt: Multimillionär mit Hang zur internationalen Politik

Redaktion, 05. Jänner 2006 10:57

Ehemaliger Osthändler Schlaff war zuletzt auch im Telekomsektor hoch aktiv

Wien - Seit Dienstag Nacht ist der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff (52) wieder in den Schlagzeilen. Die israelische Polizei spricht nach Hausdurchsuchungen von möglichen neuen Hinweisen auf Schmiergeldzahlungen an die Familie von Ministerpräsident Ariel Sharon, die mit Schlaff in Verbindung stehen sollen. Schlaff gilt als einer der massiv geheimnisumwitterten Unternehmer Österreichs, sein Netzwerk reicht in höchste Wirtschafts- und Politkreise - in Österreich ebenso wie in Nahost.

Schlagzeilen

In den heimischen Wirtschafts-Schlagzeilen war Schlaff - der nach dem Studium seine Unternehmerkarriere mit dem Ausbau der Placzek-Holzhandelsgruppe begann - mit ausgesuchten Mega-Deals, darunter mit dem von ihm und seinen Freunden Josef Taus und Herbert Cordt durchgezogenen Kauf der bulgarischen Mobiltel. Seit voriger Woche muss er sich mit der serbischen Regierung um seinen Anteil an dem dort marktführenden Handynetzbetreiber Mobtel herumstreiten, dem kurzerhand die Lizenz entzogen worden war.

Gute Kontakte zu Israel

Der langjährige Osthändler, der sich in den 90er Jahren auch mit Vorwürfen rund um DDR-Geschäfte herumzuschlagen hatte, hat traditionell glänzende, auch persönliche, Kontakte zu Israel. Er hat auch für die Eröffnung des Casinos im palästinensischen Autonomiegebiet Jericho die Fäden gezogen, was vor sieben Jahren als diplomatische Glanzleistung gefeiert wurde. An dem Casino soll der Multimillionär, dem sogar ein privates Milliardenvermögen nachgesagt wird, über seine Stiftung auch mitbeteiligt sein.

Schlaff, am 6. August 1953 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, gilt als äußerst publicity-scheu, es existieren kaum Interviews und noch weniger Fotos. Persönlich und geschäftlich gilt er aber als außergewöhnlich gut vernetzt.

Schon im Herbst hatte es Schlaff - und mit ihm Kontoverbindungen eines südafrikanischen Geschäftsmanns bei der BAWAG - auf die Titelseiten israelischer Zeitungen gebracht. Vorwurf: Es soll ein "geheimnisvolles" Darlehen gegeben haben und somit Verdacht auf Schmiergeldzahlungen. "Die Polizei verdächtigt Schlaff, hinter dem geheimnisvollen Darlehen zu stehen", schrieb die "Jerusalem Post" im September.

Embargoware für die DDR

Es ist nicht das erste Mal, dass der österreichische Geschäftsmann in den Ruf wenig transparenter Aktivitäten kommt. Als Osthändler wurde Schlaff unterstellt, vor der Wende Embargoware für die DDR beschafft zu haben. Von diesen Vorwürfen, auch des Embargobruchs, wurde er reingewaschen.

Auch Schlaff selbst scheute sich nicht, den Kadi anzurufen: Im Jahr 2001 verklagte er den Staat Israel auf Schadenersatz, nachdem das "Oasis"-Casino in Jericho im Westjordanland, nach dem Beginn des zweiten Palästinenseraufstandes (Intifada) geschlossen werden musste.

Auch auf politischem Gebiet war Schlaff im Nahen Osten sehr aktiv, insbesondere bei der Unterstützung der israelisch-palästinensischen Beziehungen. Sogar die Normalisierung der durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ schwer belasteten Beziehungen zwischen Österreich und Israel wurden zum Teil dem Einfluss des Milliardärs zugeschrieben. (APA)

Toni Gruber
04.01.2006 22:47

Nicht so unympathisch wie er da beschrieben wird!

Mike Honeybee
04.01.2006 18:29
Schwaches Profil des Ex-Stasi-Manns "Landgraf".

Immerhin: Blockadebrecher ...Kein Wort über seine Relationen zu MfS-Leuten, zur "roten Fini" alias Steindlinger + die angeblich über sein Firmenimperium transferierten 255 Mio Euro. Die Steindlinger "spendete" dann ein Vermögen nach Israel."

Nicht eine Zeile über Transfer-Rubel-Deals in Dresden mit 106 Mio. D-Mark ? Da reichte die BvS (ex. Treuhand) sogar Haftbefehl ein und klagte. Das ist ja alles schon gedruckt worden, soweit ich weiß.

Aber an sich ist Schraff ein guter Geschäftsmann (sein Branchenspitzname: der Zauberer). Wie der arbeitet, kann man u.a. sogar in Leo Wallners "Herr der Spiele" Biographie nachlesen - ein Plauscherl mit Sharon und das Casino steht ;-))

Alvinz
04.01.2006 17:11
Politisch und finanziell potent,...

...anstonst wohl Nomen est Omen...?

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