Ehemaliger Osthändler Schlaff war zuletzt auch im Telekomsektor hoch aktiv
Wien - Seit Dienstag Nacht ist der Wiener Geschäftsmann
Martin Schlaff (52) wieder in den Schlagzeilen. Die israelische
Polizei spricht nach Hausdurchsuchungen von möglichen neuen Hinweisen
auf Schmiergeldzahlungen an die Familie von Ministerpräsident Ariel
Sharon, die mit Schlaff in Verbindung stehen sollen. Schlaff gilt als
einer der massiv geheimnisumwitterten Unternehmer Österreichs, sein
Netzwerk reicht in höchste Wirtschafts- und Politkreise - in
Österreich ebenso wie in Nahost.
Schlagzeilen
In den heimischen Wirtschafts-Schlagzeilen war Schlaff - der nach
dem Studium seine Unternehmerkarriere mit dem Ausbau der
Placzek-Holzhandelsgruppe begann - mit ausgesuchten Mega-Deals,
darunter mit dem von ihm und seinen Freunden Josef Taus und Herbert
Cordt durchgezogenen Kauf der bulgarischen Mobiltel. Seit voriger
Woche muss er sich mit der serbischen Regierung um seinen Anteil an
dem dort marktführenden Handynetzbetreiber Mobtel herumstreiten, dem
kurzerhand die Lizenz entzogen worden war.
Gute Kontakte zu Israel
Der langjährige Osthändler, der sich in den 90er Jahren auch mit
Vorwürfen rund um DDR-Geschäfte herumzuschlagen hatte, hat
traditionell glänzende, auch persönliche, Kontakte zu Israel. Er hat
auch für die Eröffnung des Casinos im palästinensischen
Autonomiegebiet Jericho die Fäden gezogen, was vor sieben Jahren als
diplomatische Glanzleistung gefeiert wurde. An dem Casino soll der
Multimillionär, dem sogar ein privates Milliardenvermögen nachgesagt
wird, über seine Stiftung auch mitbeteiligt sein.
Schlaff, am 6. August 1953 als Sohn einer jüdischen
Kaufmannsfamilie geboren, gilt als äußerst publicity-scheu, es
existieren kaum Interviews und noch weniger Fotos. Persönlich und
geschäftlich gilt er aber als außergewöhnlich gut vernetzt.
Schon im Herbst hatte es Schlaff - und mit ihm Kontoverbindungen
eines südafrikanischen Geschäftsmanns bei der BAWAG - auf die
Titelseiten israelischer Zeitungen gebracht. Vorwurf: Es soll ein
"geheimnisvolles" Darlehen gegeben haben und somit Verdacht auf
Schmiergeldzahlungen. "Die Polizei verdächtigt Schlaff, hinter dem
geheimnisvollen Darlehen zu stehen", schrieb die "Jerusalem Post" im
September.
Embargoware für die DDR
Es ist nicht das erste Mal, dass der österreichische Geschäftsmann
in den Ruf wenig transparenter Aktivitäten kommt. Als Osthändler
wurde Schlaff unterstellt, vor der Wende Embargoware für die DDR
beschafft zu haben. Von diesen Vorwürfen, auch des Embargobruchs,
wurde er reingewaschen.
Auch Schlaff selbst scheute sich nicht, den Kadi anzurufen: Im
Jahr 2001 verklagte er den Staat Israel auf Schadenersatz, nachdem
das "Oasis"-Casino in Jericho im Westjordanland, nach dem Beginn des
zweiten Palästinenseraufstandes (Intifada) geschlossen werden musste.
Auch auf politischem Gebiet war Schlaff im Nahen Osten sehr aktiv,
insbesondere bei der Unterstützung der israelisch-palästinensischen
Beziehungen. Sogar die Normalisierung der durch die
Regierungsbeteiligung der FPÖ schwer belasteten Beziehungen zwischen
Österreich und Israel wurden zum Teil dem Einfluss des Milliardärs
zugeschrieben. (APA)