Aidstest für jeden daheim?

2. Juni 2006, 16:56
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US-Behörde erwägt Zulassung - Skepsis und positive Reaktionen von Aids-Experten

Washington - Die US-Gesundheitsbehörde FDA steht kurz vor der Entscheidung, ob sie dem ersten frei verkäuflichen HIV-Test die Zulassung erteilt. Experten rechnen fest damit, da die FDA in der Regel den Empfehlungen ihres wissenschaftlichen Beraterausschusses entspricht. Dann könnte sich jeder, zunächst in den USA oder über das Internet, den "OraQuick Advance" genannten Test besorgen und zu Hause privat auf HIV testen, ohne Arzt oder Labor konsultieren zu müssen.

Das von der israelischen Firma OraSure hergestellte und seit Oktober 2004 erhältliche Präparat testet anhand einer im Mund entnommenen und mit einer Spezialflüssigkeit in den Teststick eingeführten Speichelprobe auf HIV-1- und HIV-2-Antikörper. Sie sind jedoch erst zwölf Wochen nach Infizierung eindeutig im Körper nachweisbar. Nach 20 Minuten wird das Ergebnis angezeigt, das laut Studien eine Sicherheit von 99 Prozent besitzt.

Skepsis bei Aids-Experten

Aids-Experten befürworten einen frei verkäuflichen HIV-Test. Sie gehen davon aus, dass sich dann mehr Menschen auf HIV untersuchen, die bisher aus Schamgefühl nicht zum Arzt gegangen sind. Auch würden dann HIV-Infizierte schneller von ihrer Krankheit erfahren und früher behandelt werden können. Schätzungen sprechen von 300.000 Amerikanern, die infiziert sind, ohne es zu wissen.

Auf der anderen Seite wird befürchtet, dass der Umgang mit einem möglicherweise positiven Ergebnis auf HIV zu Hause wesentlich stärker psychische Probleme bereitet, als wenn das Testergebnis im Beisein eines Arztes oder einer qualifizierten Hilfsperson überbracht wird. Zwar wüssten die meisten Menschen inzwischen aus Aufklärungskampagnen und Medien über Aids Bescheid. Trotzdem rechnen die Experten mit überschnellen Freitodentscheidungen, weil ein Ansprechpartner in diesem wichtigen Moment fehlt. (grote/DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2006)

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OraSure
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