Im langen Schatten der Pappeln

9. Februar 2006, 12:05
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Der mittelburgenländische Regionalligist SC Ritzing will halb hinauf - Frank Stronach "hat damit nichts zu tun"

Ritzing - Wer nach Lackenbach fährt, dort aufs Gemeindeamt geht und den Amtmann - so heißt im Burgenland der administrative Chef der Gemeinde auch dann, wenn er eine Frau ist -, wer also dorthin geht und Christian Janitsch fragt, ob es stimme, dass Frank Stronach seine Austria Amateure in den SC Ritzing verwandeln wolle, damit diese bis ganz hinauf dürfen (als Farmteam der Austria ist das verboten), wird ein sehr ermüdetes "Oh mein Gott" hören. Und das will nichts anderes sagen als: "Bitte, nicht schon wieder!"

Es ist nämlich so, dass der Manager des SC Ritzing - eben Christian Janitsch, der Amtmann der Nachbargemeinde Lackenbach - dieses Gerücht schon des Öfteren dementiert hat. Was Stronach betreffe, sei mit "dem Chef" zu besprechen, dem Obmann des Vereins, Harald Reiszner, der mit Stronachs Magna auch im geschäftlichen Kontakt stehe. Der aber sagt dann, danach befragt: "Bitte, nicht schon wieder." Um zu präzisieren: "Dass Stronach bei Ritzing einsteigt, würden sich ja viele wünschen. Ich auch." Das Gerücht ist leicht erklärt: Unter der Obmannschaft von Harald Reiszner und der Trainerschaft von Bruder Johann hat Ritzing eine beachtliche Performance geboten. 1995 gelang der Aufstieg aus der Schutzliga, der Mitte, gegenwärtig steht man an 11. Stelle der Regionalliga Ost, und wenn nicht alles täuscht, ist das nicht der Plafond gewesen.

Stronach-Connection

Dazu kommt, dass in ungefähr derselben Zeit Obmann Reiszner aus seinem Unternehmen I & T im nordburgenländischen Siegendorf, das "Flachleiter" für die Autoindustrie entwickelt und fertigt, eine so zukunftsträchtige Firma gemacht hat, dass Magna unlängst erst eingestiegen ist.

Das eine freilich, sagt Harald Reiszner, habe mit dem anderen nichts zu tun. Er sei Obmann, kein Sponsor. Andererseits, sagt Manager Janitsch, stimme es schon, dass die Reiszners, aber keineswegs nur der Obmann, den SC Ritzing in Schwung gebracht haben. Nicht nur, was den Sport betrifft. Eine ausgegliederte GmbH hat ein geradezu sensationelles Stadion errichtet: verglaste VIP-Tribüne, Trainingsplätze mit Gras und Kunstgras, jetzt baut man an einer Halle, daneben steht das Bundesleistungszentrum der österreichischen Kegelelite.

Ballesterisch sieht Manager Janitsch die Zukunft mit der Red-Zac-Liga begrenzt. "Wir suchen Kooperationen mit T-Mobile-Vereinen." Die nahe liegende mit Mattersburg scheiterte vorderhand: "Seit einem Jahr versuchen wir, mit Obmann Martin Pucher einen Termin zu bekommen." Inzwischen gibt es schon Sondierungen mit dem nahen Sopron. Obmann Reiszner: "Das würde ohnehin besser zum Thema Pannonien passen."

Arsenal-Connection

Hauptaufgabe bleibe aber die Pflege des regionalen Nachwuchses. Janitsch: "Bei uns haben alle Trainer ihre Lizenz." Auch der für die Erste natürlich. Jetzt heißt der Christian Janitsch, weil sich Johann Reiszner, so wie weiland Paschings Georg Zellhofer, Auszeit genommen hat. Im Zuge seiner UEFA-Pro-Ausbildung hospitierte Janitsch auch bei Arsene Wenger. Für Ritzing hat sich das schon ausgezahlt. Arsenal gastierte im Juli 2005 schon zum zweiten Mal im Mittelburgenland. Das 1:4 schmerzte nicht. Und zwar nicht nur deshalb, weil man schon ein 2:2 aus 2003 auf dem Konto hatte. (Wolfgang Weißgram - DER STANDARD PRINTAUSGABE 4.1. 2006)

  • Das schöne Ritzing verfügt über eine ziemlich mächtige Sportanlage, die mehr Zuspruch vertragen könnte, als der 800-Einwoh- 
ner-Ort allein zu geben imstande ist.
    foto: sc ritzing

    Das schöne Ritzing verfügt über eine ziemlich mächtige Sportanlage, die mehr Zuspruch vertragen könnte, als der 800-Einwoh- ner-Ort allein zu geben imstande ist.

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