Die Schnapsidee des Winzerenkels

27. Dezember 2005, 17:00
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Die Edelbrände von Markus Wieser aus Wösendorf in der Wachau räumen Preise ab, das Geschäft blüht dank der kreativen Erweiterung des Sortiments

Dieser Mann macht sogar Marillenkerne zu Geld. Aus dem Abfallprodukt der Schnaps-und Marmeladenerzeugung entstehen in der Wachauer Manufaktur von Markus Wieser Kosmetika: Seife, Lotion, Shampoo, die im Landhausstil verpackt und unter dem Namen "Die schöne Wachauerin" das Angebot stimmig erweitern. "Früher musste ich für die Entsorgung der Kerne zahlen, jetzt werden sie sinnvoll recycelt", freut sich Wieser. Das gesunde Wachstum des Betriebs zeigt sich nicht nur am Ausbau des Sortiments. Neulich fiel Markus Wieser die Betriebsbilanz des Jahres 1995 in die Hände: "Was wir damals in Schilling umgesetzt haben, machen wir jetzt in Euro."

Begonnen hat alles mit einer Zufallshäufung. 1986 hatte Markus Wieser nach anderthalb Jahren auf der Uni genug vom Jus-Studium ("das war nicht meins, ich bin mehr fürs Entwickeln von Dingen"), der Schnapsbrenner im Weinbaubetrieb seines Großvaters starb, und der Patriarch beschloss, seinen Enkel zu dessen Nachfolger zu machen. Wiesers Großvater ist einer der renommiertesten Winzer des Landes: Josef Jamek, Begründer des international bekannten Weinbetriebs in Joching.

Dass die Destillerie nicht unter dem berühmten Namen läuft, erwies sich als Vorteil: "Am Anfang produzierten wir noch unter dem Label Jamek, aber offenbar traut man einem Winzer nicht zu, ordentliche Schnäpse zu brennen", erzählt Wieser. "Die Geschäfte gingen schleppend." Nach dem Rückzug Josef Jameks aus dem Berufsleben gliederte der Enkel die Brennerei aus - und gab ihr seinen Namen.

Womit sich die "Schnapsidee" letztlich doch als Glücksgriff entpuppte: Mit zwei Sorten war Wieser gestartet, Marille und Rieslingtrester, inzwischen brennt er allein aus der Marille fünf verschiedene Qualitäten, ein gutes Dutzend anderer Frucht- und Tresterbrände runden das hochprozentige Angebot ab, das bei Wettbewerben und Verkostungen regelmäßig prämiert wird. Neben traditionellem Schnapsobst wie Zwetschge, Apfel, Himbeere, Birne kommen auch Exoten in die Destillerie: Orangen und Mandarinen.

Diese Sorten haben sich in der Experimentierphase bewährt, mit der Wieser am Beginn seiner Karriere sich an Grapefruits, Bananen, Mangos und anderen Südfrüchten austobte. Außer bei Zitrusbränden hielt sich die Nachfrage, wie er zugibt, in bescheidenen Grenzen. Und doch beflügelte der Flop die Kreativität erst recht: Weil der nach Earl-Grey-Tee schmeckende Bergamotte-Brand als Schnaps "ehrlich gesagt ungenießbar" sei, zu Schokolade verarbeitet aber "ein Hit", lässt Markus Wieser beim steirischen Chocolatier Josef Zotter daraus Edelbitter-Schokoladen erzeugen, die in den Wieser-Shops in Wösendorf, Dürnstein, Melk und Salzburg erhältlich sind.

Dass in der Wieser-Schokoladetafel Zotter drin ist, verheimlicht Markus Wieser ebenso wenig wie die Tatsache, dass in einigen Obstbränden, die unter dem Label "Wein & Co" beim gleichnamigen Weinsupermarkt wohlfeil sind, Wieser drin ist. "Beim Schnaps ist es wie mit dem Wein", erklärt Wieser bildhaft, warum solche Kooperation wichtig ist: "Der Riesling Smaragd macht einen berühmt, aber das Geld bringt der Federspiel, also die Massenware im mittleren Preissegment."

200 Tonnen Obst pro Jahr verarbeitet die Manufaktur in Wösendorf, rund die Hälfte davon stellt "das Kapital der Wachau" (O-Ton Wieser), die Marille. Aus der rotwangigen Frucht entsteht auch Markus Wiesers kulinarischer Favorit: die Marillenmarmelade, die seine Frau Johanna in ihrem eigenen Betrieb erzeugt. "Davon esse ich beim Frühstück ein ganzes Glas, wenn meine Frau nicht aufpasst", sagt Wieser lachend. Der Espresso dazu kommt seit Neuestem aus der hauseigenen Rösterei: "Weil Kaffee ideal in unser Sortiment passt." (Susanne Rössler, DER STANDARD – Printausgabe, 7./8. Jänner 2006)

Link

Destillerie Wieser
3610 Wösendorf/Wachau
Te: ++43/2715/2544
  • Artikelbild
    bild: destillerie-wieser.at/
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