"Mozart im Kino"

6. Juni 2006, 18:30
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Umfassenden Retrospektive im Filmarchiv Austria - Uraufführung von "Der Mozart Test" am 10. Jänner - Komponist als Star des NS-Propagandafilms

Wien - "Mozart im Kino" lautet der schlichte Titel einer umfassenden Retrospektive im Filmarchiv Austria in Zusammenarbeit mit dem Mozartjahr 2006. Vom 10. bis 31. Jänner werden im Wiener Metro Kino 31 Filme zu sehen sein, die sich dem Jubilar in irgendeiner Weise annehmen. Zu den Höhepunkten zählt die Welturaufführung der Dokumentation "Der Mozart Test". Erstmals in Österreich wird außerdem die britische Produktion "In Search of Mozart" zu sehen sein.

Seit beinahe 100 Jahren beschäftigt der Mythos Mozart Regisseure aus aller Welt. Den Beweis dafür liefert der Kurzfilm "La Mort de Mozart" von Louis Feuillade, das erste kinematografische Porträt der Filmgeschichte, 1909 gedreht und als Eröffnungsfilm der Retrospektive im Metro Kino (10.1., 19 Uhr) vorgesehen. Der zweite Programmpunkt des Abends ist eine Weltpremiere: "Der Mozart Test" von Frederick Baker beäugt kritisch den außermusikalischen Einsatz des Komponisten, Stichwort: "Mozart Effekt". Kritiker und Befürworter dieses Phänomens werden dabei etwa über die Verwendung von Mozarts Musik zu Heilungszwecken Stellung nehmen.

Von Milos Forman bis Ingmar Bergmann

Reserviert für Mozart allein wird das Metro Kino dann bis 31. Jänner sein: Dabei wird für Milos Formans schrilles Porträt "Amadeus" (1984) ebenso Platz auf der Leinwand sein wie für grundbrave filmische Umsetzungen von Bühnenwerken wie "Figaros Hochzeit", "La Clemenza di Tito" oder "Don Giovanni". Ingmar Bergmanns "Trollflöten" aus dem Jahr 1975 - eine Adaption des "Zauberflöte"-Stoffs - dokumentiert das Zustandekommen einer Theaterproduktion und zieht auch Publikum, Partitur und Backstage-Bereich ins Gesamtbild.

Auch die Verwurstung des Mozart-Bildes für Propagandazwecke während der NS-Zeit wird bei der Retrospektive nicht ausgespart. "Wen die Götter lieben" aus dem Jahr 1942 lässt den Komponisten Teil jenes erbitterten Kulturkampfes werden, den die Nazi-Propaganda verstärkt über die Medien führte. In den Hauptrollen sind unter anderem Hans Holt als Mozart, Curd Jürgens und Paul Hörbiger zu sehen. Aus dieser Zeit stammen auch die Filme "Eine kleine Nachtmusik" (1940) und die italienische Produktion "Melodie Eterne" (1940), ebenfalls als Programmpunkt mit dabei.

Oskar Werner als Wolfgang Amadeus

Oskar Werner stand hingegen in einem österreichischen Mozart-Porträts der frühen Nachkriegszeit vor der Kamera: Bei "Mozart" oder auch "Reich mir die Hand, mein Leben" von Regisseur Karl Hartl. Dass der österreichische Film zum Thema Mozart auch weiterhin nicht geschlafen hat, zeigen neben Kurt Palms anarchischem Porträt "Der Wadenmesser oder das wilde Leben des Wolfgang Mozart" auch zwei Produktionen aus dem Jahr 1991: Der Fernseh-Dreiteiler "Wolfgang" von Juraj Herz (am 8.1. auch auf ORF 2) und "Die gezinkten Karten der Constanze Mozart" von Nikolaus Eder. Und wem Abendfüllendes über den Jubilar bereits zu Beginn des Mozartjahres zu viel ist, kann es beim Kurzfilmprogramm mit kleinen Häppchen versuchen. Etwa mit dem vierminütigen Video zum Falco-Hit "Rock me Amadeus". (APA)

  • Oskar Werner in "Mozart" (aka "Reich mir die Hand, mein Leben"), A 1955
    foto: filmarchiv

    Oskar Werner in "Mozart" (aka "Reich mir die Hand, mein Leben"), A 1955

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