"Gekaufte Hausarbeit" wird bestraft

14. März 2006, 12:17
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Das Kölner Verwaltungsgericht entschied gegen eine Studentin, die einen "Ghostwriter" fürs juristische Staatsexamen engagiert hatte

Der Markt für Seminararbeiten, Hausarbeiten und sonstige wissenschaftliche Werke boomt: Wer es sich leisten kann, dem stellen eine große Anzahl an "Ghostwritern" ihre Dienste zur Verfügung. Dass sich die Studierenden damit an der Grenze der Legalität bewegen, zeigt ein neues Urteil eines deutschen Verwaltungsgerichtes.

Klage abgewiesen

Das Verwaltungsgericht Köln hat nämlich die Klage einer Prüfungskandidatin abgewiesen, die für ihre Hausarbeit im ersten juristischen Staatsexamen die Hilfe eines "akademischen Ghostwriters" in Anspruch genommen hat. Die Klägerin wollte mit der Klage erreichen, dass sie eine Wiederholungsprüfung ablegen kann.

Nach ihrem juristischem Studium an der Universität Köln entschloss sich die Studentin, ihre Prüfungsarbeit im Juli 2003 an ein auf derartige schreiberische "Hilfestellungen" spezialisiertes Unternehmen zu übersenden. Für ein 23-seitiges "Gutachten" zahlte sie 2.000 Euro.

Umsonst geschummelt

Peinliches Ende des Schummelversuches: Trotz der Hilfe des Unternehmens bestand die Klägerin die Prüfung nicht - Klausuren und Hausarbeit wurden mit mangelhaft oder ungenügend bewertet. Als das Justizprüfungsamt wenig später Hinweise auf das regelwidrige Verhalten der Jungn-Juristin erhielt, entschied es, dass der Klägerin wegen Täuschungsversuches der ihr an sich zustehende Wiederholungsversuch aberkannt wird.

Das Kölner Gericht bestätigte nun diese Entscheidung. Auch die Richter sahen in der Beauftragung eines "Ghostwriters" einen schwerwiegenden Täuschungsversuch. Die Aberkennung des Wiederholungsversuches sei trotz der gravierenden Folgen für die Klägerin vertretbar. Sie habe sich "planvoll und zielgerichtet" einen erheblichen Vorteil gegenüber den MitkandidatInnen verschafft. Zugleich habe sie ein Unternehmen in Anspruch genommen, dessen Geschäftsgegenstand darauf gerichtet sei, die Durchführung eines fairen Prüfungsverfahrens systematisch zu unterlaufen. Dass das Prüfungsamt mit der Sanktion auch einen Abschreckungseffekt für andere Prüflinge verfolge, sei nicht zu beanstanden.

Gegen die Entscheidung ist noch eine Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster zulässig. (az)

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    2.000 Euro war einer deutschen Jus-Studentin ihre 23-seitige Hausarbeit wert.

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