Kursbuch-Story: Das Gfrett mit Zugnamen

2. Jänner 2007, 18:35
52 Postings

Der Fahrplanwechsel beschert auch heuer wieder neu getaufte Zugverbindungen - dabei nehmen es die Bundesbahnen mit der Geografie nicht so genau

Schon seit vielen Jahren "verkaufen" die ÖBB Zugnamen an werbewillige Firmen und Institutionen, was mitunter zu recht heiteren Effekten führt. Zudem versuchen sie, mit Zugtaufen ihr Image aufzumöbeln. Ein Sprinter - im Kursbuch mit SPR gekennzeichnet - wirkt natürlich viel flotter als der frühere Beschleunigte, auch wenn er es zuweilen nicht besonders eilig hat.

Bei der Namensgebung für die Sprinter kommen die Bundesbahnen auch mit der Geografie in Konflikt. So gibt es einen Sprinter "Ghega", der von Wien nach Payerbach-Reichenau fährt und daher dort endet, wo die zum Weltkulturerbe erhobene historische Gebirgsbahn über den Semmering praktisch erst beginnt.

Bummelsprint Kurios ist auch der "Mürztalsprinter", der zwischen Mürzzuschlag und Bruck an der Mur - also im Tal der Mürz - in jeder Station und Haltestelle stehen bleibt und erst im Murtal zu sprinten beginnt, um rasch Graz zu erreichen. Der "Ennstalsprinter" bummelt ebenfalls, solange er sich im Bereich der Enns bewegt, erst im Murtal hat er es sehr eilig nach Graz.

Von Kienberg/Gaming nach Pöchlarn lassen Ötscher- und der Erlaufwiesel keine Station aus und wieseln erst auf der Westbahn nach St. Pölten.

Fünf "Guten Morgen"

Zu Missverständnissen können Züge gleichen Namens führen. Dass drei Eilzüge, die in der Früh von Amstetten nach Wien fahren, "Guten Morgen" heißen und man diesen Namen je einmal in den Relationen Krems-Wien sowie Mürzzuschlag-Wien findet, lässt sich noch argumentieren. Warum aber gibt es je einen "Österreichisches Umweltzeichen" zwischen Graz und Wien sowie zwischen Wien und Salzburg? Und warum fährt ein "Unser Gratisblatt" von Payerbach-Reichenau nach Wien, ein anderer von Wien-Meidling nach Bernhardsthal?

Was es mit Eilzug "millenniumcity" (Wiener Neustadt-Mistelbach) und Intercity "www.stimme.at" (Salzburg-Wien) auf sich hat, müsste man ebenfalls erst erfragen. (Bernd Orfer, DER STANDARD-Printausgabe 03.01.2006)

Zweiter Teil der Serie "ÖBB neu"
  • Artikelbild
    foto: christian fischer
Share if you care.