Italien wegen massivem Flüchtlingsstrom aus Marokko besorgt

8. März 2006, 16:29
posten

Marokkanischer Botschafter zu Gespräch mit Fini einberufen - Folge stärkerer Kontrollen an spanischer Grenze

Rom - Italien ist wegen des Flüchtlingsstroms aus Marokko, der in den vergangenen Monaten massiv zugenommen hat, besorgt. Rom will Druck auf die marokkanischen Behörden ausüben, damit sie beherzter gegen die illegalen Grenzübertritte vorgehen, berichteten italienische Medien am Montag.

So berief der italienische Außenminister Gianfranco Fini am Freitag den marokkanischen Botschafter in Rom, Tajeddine Baddou, zu einem Gespräch ein. Fini teilte ihm die "große Sorge der italienischen Regierung" wegen der Einwanderungswelle aus Marokko mit. Die Zahl der illegalen Einwanderer, die aus Marokko in Italien eingetroffen sind, war in den vergangenen Wochen von 2,4 auf 32,4 Prozent geklettert.

Laut dem italienischen Innenministerium ist der Zuwachs des Immigrationsstroms die Folge der stärkeren Kontrollen in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla. Ende September hatte der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero knapp 500 Soldaten zur Unterstützung der Grenzschützer in Melilla und Ceuta abkommandiert. Damals hatten Tausende von Afrikanern versucht, von Marokko aus über die Grenzzäune hinweg auf spanisches Gebiet zu stürmen. Marokko hat mittlerweile den Zustrom von Flüchtlingen gestoppt und schickte mehr als 2000 Afrikaner in deren Heimatländer zurück. Seither kam es an den Grenzen der spanischen Exklaven zu keinen Zwischenfällen mehr. Flüchtlinge aus Marokko, die nach Europa wollen, weichen nun auf den Meeresweg nach Italien aus.

Warnung

Der für Justiz und Inneres zuständige Vizepräsident der EU-Kommission und frühere italienische Außenminister Franco Frattini warnte, dass bilaterale Abkommen zur Flüchtlingsbekämpfung nicht mehr genügen könnten, um die Einwanderungswelle zu stoppen. "Wir müssen auf gesamteuropäischer Ebene vorgehen. Die Regierungen der EU-Staaten sollten uns die Aufgabe geben, nicht nur die Abkommen mit Marokko, Libyen und Algerien zu koordinieren, sondern auch gemeinsame Meerespatrouillen im Mittelmeer zu organisieren", betonte Frattini.

Nach jüngsten Statistiken des italienischen Innenministeriums gelangen nur vier Prozent der illegalen Immigranten über das Mittelmeer nach Italien. Die meisten illegalen Einwanderer erreichen Italien auf dem Landweg, 29 Prozent davon per Bahn, Flugzeug, oder mit dem Auto. 67 Prozent der illegalen Einwanderer reisten als Touristen nach Italien ein und blieben dann einfach länger. (APA)

Share if you care.