Die Außensicht der Innensicht

8. März 2006, 11:39
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Heinz Palme, lange beim ÖFB, organisiert die WM 2006 an höchster Stelle und betrachtet Österreich mit liebevoll kritischen Augen

Wien/Frankfurt a. Main - "Die Organisation einer Fußball-WM ist das Größte im Sport. Wenn man von den Olympischen Spielen absieht." Heinz Palme (47), der für den ÖFB unter anderem die drei EM-Bewerbungen und auch die erfolgreiche für 2008 begleitete und managte, arbeitet seit Jahren als Generalkoordinator des deutschen WM-Organisationskomitees, leitet seit Kurzem überdies die Abteilung Projektmanagement und Protokoll. Vorher schaffte er für die FIFA bei den WM 1994 und 1998 und bei der UEFA (EM 1996).

Palme: "Die Fußball-WM hat ein Zehntel der TV-Übertragungszeit von Olympischen Spielen, aber zehnmal so hohe Quoten. Das erklärt die hohe Attraktivität für weltweit führende Firmen als Sponsoren. Wer in Österreich zur Welt kommt, ist ein potenzieller Skiweltmeister. Das Know-how ist da, die Infrastruktur, die Trainingstradition. Die Chance, Fußballweltmeister zu werden, ist angesichts der Vergangenheit sehr gering." In Deutschland sei dank der Tradition jeder Knabe potenzieller Fußballweltmeister.

Der Unterschied zur Euro 2008? Palme schildert den Auswahlprozess der WM-Standorte. 35 Städte interessierten sich, 16 Kandidaten blieben über. Palme: "Das war eine beinharte Evaluation, weil man das nachvollziehbar argumentieren musste. Bremen zum Beispiel hatte Jahre vor der endgültigen Auswahl eine Zusage erhalten, wurde aber nicht genommen." Zwölf Städte werden bespielt, parallel dazu entstanden auch an Nicht-WM-Standorten wie Wolfsburg, Cottbus, Mainz oder Düsseldorf (50.000er Haus ohne nennenswerte Mannschaft!) neue Arenen.

Sicherheitsproblem

In Österreich dachte ein Mann groß, der Ex-ÖFB-Präsident Beppo Mauhart, er boxte Verband und Land dreimal zu einer EM-Bewerbung. Palme: "1996 für England waren wir eigentlich noch nicht reif, aber wir haben gelernt." Für 2004 scheiterte der ÖFB (mit Ungarn) an Portugal. In Österreich mit seiner schwer entfachbaren Begeisterung übernahm in der Endphase der dritten Bewerbung Mauharts Nachfolger, ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, das "Think-Big-Konzept". Um EM-Standorte musste der ÖFB schließlich fast werben, siehe die Kabalen um Klagenfurts Stadion.

Die Größe der WM (und auch der EM) illustriert das mittlerweile globale Sicherheitsproblem. Palme, dessen Firma (HPM) neben Personalcoaching auch Veranstaltungen wie den Hallen-Cup und den Street-Soccer-Cup managt, weiß wovon er spricht: "Die WM-Organisatoren haben das ihre getan, mit Personalisierung des Ticketings, Videoüberwachung, innerem und äußerem Sicherheitsbereich. Aber grundsätzlich kümmert sich die Regierung drum, weil das die Finanzkraft und Kompetenz einer Fußball-WM weit überschreitet."

Vom WM-Budget (430 Millionen Euro) ist nur ein kleiner Teil der Sicherheit gewidmet, die Koordination mit den "problematischen Anreiseländern" wie England oder die Niederlande läuft über politische Kanäle. Auch die Kontakte mit den USA, damit der Krieg gegen den Terror nicht die WM streife. Palme: "Deutschland ist seit dem Anschlag in München bei Olympia 1972 sensibilisiert."

Noch ein Unterschied zu Österreich. Palme: "Deutschland hat Beckenbauer, der dank seiner Geschichte ungeheure Glaubwürdigkeit besitzt und vieles ermöglicht, wie André Heller für ein Kulturprogramm zu holen, um das eigene Land zu ironisieren und den Fußball zu öffnen. Österreich hat keinen Fußballer, der über die Genre- und Landesgrenzen strahlt. Hermann Maier könnte so eine Persönlichkeit werden. Aber eben im Skisport." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 2. Jänner 2006, Johann Skocek)

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    Zum Anstoß am Brandenburger Tor zu Berlin fanden sich in der Silvesternacht angeblich eine Million Menschen ein. Gekickt wird bei der WM aber erst ab 9. Juni. Die Titelchancen der deutschen Nationalelf bewertete die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als "gar nicht schlecht. Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Weltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen", so Merkel.

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