Raubtier-Hege über Grenzen und Berge

31. Dezember 2005, 10:30
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Den Braunbären zuliebe: Interreg-IIIA-Projekt soll Jäger, Ökologen, Touristiker und Landwirte an einen Tisch bringen

Klagenfurt - Der Braunbär ist zurück in den Karawanken. Derzeit haben acht männliche Expemplare auf Kärntner Seite ein neues Revier gefunden. Die Weibchen leben jenseits der Berge in Slowenien. Kärntner und slowenische Jäger wollen nun gemeinsame Hegeanstrengungen unternehmen, um beide zusammenzuführen und so das Überleben der Bärenpopulation in den Karawanken zu sichern.

Im Sommer 2005 wurde dazu ein Interreg-IIIA-Projekt namens "LOV-JAGD" ins Leben gerufen. Projektpartner sind der Klub der Jagdfreunde/ Klub prijateljev lova als Träger, die Kärntner Jägerschaft, der slowenische Wirtschaftsverband sowie die bäuerliche Genossenschaft Coppla Kasa/ Bad Eisenkappl auf Kärntner Seite und der Koroska lovska zveza (Jagdverband der Region Koroska) aus Dravograd in Slowenien.

Genetikbank

"Slowenien stellt für Europa so etwas wie eine genetische Bank für Raubtiere dar", erläutert Projektleiter Franc Wakounig. Nicht nur Bären, auch Luchs, Wildkatze und sogar ein Wolf, der in Kärnten nach langer durch den Eisernen Vorhang bedingter Abwesenheit wieder gesichtet wurde, dürften über Slowenien eingewandert sein.

Schon seit Jahrzehnten bemüht sich der Klub der Jagdfreunde um die Vertiefung der jagdfachlichen Zusammenarbeit zwischen den Kärntner und slowenischen Jagdverbänden. Mit dem Interreg-Pilotprojekt wird sie erstmals institutionalisiert. "Ziel ist eine grenzüberschreitende, nachhaltige Wald-, Wild- und Forstwirtschaft". In einem späteren Schritt soll auch Italien mit eingebunden werden.

Das Jagd- und Hegeprojekt zwischen Kärnten und Slowenien, das in der ersten Phase bis 2006 ausgelegt ist, fußt auf drei Säulen. Zunächst wird ein mehrsprachiger Taschen-Jagdkalender (deutsch-slowenisch-italienisch) ausgearbeitet, der sämtliche jagdliche Fachausdrücke, internationale Schutzbestimmungen, aber auch Jagdwaffen, Brauchtum, etc. umfassen soll. Wakounig: "Bisher gab es unterschiedliche Begriffe. Jetzt schaffen wir ein einheitliches Jagd-Instrumentarium diesseits und jenseits der Grenze."

Die heikle Frage der Rückkehr von Raubtieren in die heimischen Wälder soll in gemeinsamen Info-Veranstaltungen und Exkursionen diskutiert werden, in die auch Landwirte, Ökologen und Tourismusverantwortliche eingebunden werden. Und es wird ein grenzüberschreitender Jagdlehrpfand mit Schautafeln von Bad Eisenkappl/Zelena Kapla hinüber nach Slowenien entstehen, der über das Wild im Alpen-Adria-Raum informieren soll.

Volksgruppe

Der Projektträger, der Klub der Jagdfreunde/Klub prijateljev lova, ist ein Verein der slowenischen Volksgruppe in Kärnten, der sich als Bindeglied zwischen jagdlichen Institutionen in Kärnten, Slowenien und Friaul-Julisch-Venetien versteht. "Unser Interreg-Projekt ist einzigartig in der EU", freut sich Wakounig. Die Fördersumme beläuft sich derzeit auf 90.000 Euro. Den Löwenanteil bestreiten Brüssel und das Land Kärnten. Die Jägerschaft steuert eine Art Selbstbehalt bei. "Gerade im Fall der Rückkehr der Raubtiere ist gemeinsames Vorgehen sehr wichtig. Da braucht es viel Aufklärung und Geduld. Es bringt nichts, wenn wir versuchen, Bär und Luchs wieder heimisch zu machen, wenn dann Trophäenjäger kommen oder die Bauern aus Angst um ihr Vieh die heimgekehrten Exoten wieder niederballern." (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 12. 2005)

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