Scheck, lass nach

30. Dezember 2005, 18:16
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Der Dienstleistungsscheck ist ab Montag in Österreich Realität, neu ist die Idee aber nicht - Von Leo Szemeliker

Der Dienstleistungsscheck ist ab Montag in Österreich Realität. Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein preist ihn als innovatives Mittel gegen den Pfusch in Haushalten - und will ihn in den kommenden Tagen breit bewerben, mit springenden Kindern und lachenden Frauen.

Nun ist die Idee nicht neu. In Deutschland und in Frankreich wurden ähnliche Modelle probiert, um einen "echten Markt" mit "echten Preisen" für Dienstleistungen wie Putzen, Babysitten oder Unkrautjäten zu schaffen. "Echte Preise" bedeutet aber nicht zuletzt, dass die Arbeitnehmer auch Sozialleistungen bekommen. Der Effekt war - dürftig. Eine nette Scheckaktion tangiert illegal beschäftigte Ausländer verständlicherweise nicht. Sie sind aber in diesen "haushaltsnahen" Jobs die Mehrheit.

Nun argumentiert die heimische Regierung: Alles sei besser als der Schwarzmarkt. Das stimmt - vor allem für den Finanzminister, wird doch mit einer Anmeldung beim Schecksystem bisher schwarz kassiertes Geld ins Licht des Fiskus gerückt.

Bedenklich sind jedoch gesellschaftspolitische Implikationen: Der Scheck bedient unzweifelhaft eine wohlhabende Kernzielgruppe der ÖVP. Dieser wird jetzt vom Staat ein Türchen zur Legalität subventioniert. Die publik gewordene polnische Putzfrau für die Privatwohnung könnte ja karrierestörend sein. Dass ein Parallelarbeitsmarkt für schlecht bezahlte Jobs ohne standardmäßige soziale Absicherung entstehen kann, ist meist ohnehin nur für die Klientel der Gegenseite ein Problem. Weiters werden Initiativen von Organisationen untergraben, die sozial benachteiligten Frauen legal Aushilfsjobs besorgen.

Wirklich problematisch würde es werden, wenn irgendwann Wirtschaftstreibende - etwa Gastronomen - Schecks einforderten. Das wäre dann staatlich geförderte Tagelöhnerei. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.12.2005/1.1.2006)

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