Der Newsroom als Darkroom: Die "ZiB" war 2005 schwärzer denn je

13. März 2006, 16:37
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2005 markiert einen neuen Höchststand schwarzer Wortspenden in der "ZiB 1" - Am längsten kam freilich Bundespräsident Heinz Fischer zu Wort - Mit Grafik und Download

2005 markiert einen neuen Höchststand schwarzer Wortspenden in der "ZiB 1", seit Mediawatch die ORF-Nachrichten beobachtet. Am längsten kam freilich der neu gewählte Bundespräsident Heinz Fischer zu Wort. Der Kanzler folgt auf Platz 2.

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Seit 1998 schauen Studenten in Innsbruck professionell fern: Zunächst als Forschungsgruppe von Politikwissenschaftern, inzwischen als GmbH im Besitz der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Seit Medienbeobachtergedenken kamen Politiker der ÖVP nicht so lange in den wichtigsten Nachrichten des ORF vor wie 2005. 44,4 Prozent aller O-Töne in der "ZiB 1" kamen aus bürgerlichem Mund.

Nur 0,9 Prozentpunkte fehlen der Volkspartei auf den bisherigen Spitzenwert einer Fraktion. 1998 schaffte die damalige Kanzlerpartei SPÖ 45,3 Prozent in den Hauptnachrichten. Ihr Koalitionspartner ÖVP kam auf 34,1 Prozent.

1998 übergab der ehemalige rote Kanzlersekretär Gerhard Zeiler die Führung des Küniglbergs an Gerhard Weis, einen von den Sozialdemokraten unterstützten CVer. Heute ist Monika Lindner Generaldirektorin der Anstalt von bürgerlichen Gnaden. Die Präsidentschaftswahl von 2005 schob den Sozialdemokraten Heinz Fischer im Sekundenranking der meistgesehenen ORF-Nachrichten vor Kanzler Wolfgang Schüssel. Unter den Parteichefs liegt der VP- Obmann aber vorn.

Verkehr ist orange

Seine wichtigsten Themen in der "ZiB": EU-Verfassung und EU-Budget, zudem zweisprachige Ortstafeln - zugleich das wichtigste Thema von Jörg Haider (BZÖ) 2005. Der liegt auf Platz vier der Parteichefs hinter Alfred Gusenbauer (SP) und Alexander Van der Bellen (Grüne), die sich erwartungsgemäß vor allem der Regierungskritik widmeten. Ursula Haubner (BZÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) widmeten sich vor allem innerparteilichen Themen.

Mediawatch untersuchte auch die Parteipräsenz in "ZiB 1", "ZiB 2" und "ZiB 3" zu politischen Schwerpunkten. 46,6 Prozent der Aussagen zur Bildung kamen 2005 von der ÖVP. Sie dominiert auch den Komplex Ausländer/Asyl/Minderheiten. FPÖ/BZÖ kommen hier mit 16,6 Prozent überraschend kurz zu Wort. Zum Thema Arbeit redeten die Grünen fast so lange wie die SPÖ, die ÖVP schafft auch hier 46,5 Prozent.

Nur beim Verkehr, da sind FPÖ/BZÖ mit Tempo 160 unterwegs: 60,2 Prozent der Wortspenden dazu waren blau oder orange.

Wie stets bei den Statistiken von Mediawatch gilt: Nicht jede TV-Sekunde einer Partei oder eines Politikers muss die auch freuen. ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch zum Beispiel hätte bestimmt gerne weniger zum Refco-Kredit seiner Gewerkschaftsbank Bawag gesagt. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 31.12.2005/1.1.2006)

Teil 2 des Mediawatch-Jahresberichts

"ZiB 1" wurde 2005 etwas weiblicher

  • Mediawatch-Jahresbericht 2005

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  • Redezeit der Politiker
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  • Redzeit der Parteien
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    Redzeit der Parteien

  • O-Töne in den  ORF-Nachrichten 2005 zu Verkehr und Arbeit ...
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    O-Töne in den ORF-Nachrichten 2005 zu Verkehr und Arbeit ...

  • ... und Ausländer, Asyl, Minderheiten und Bildung
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