Juschtschenko appelliert an Putin

30. Dezember 2005, 19:30
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Ukrainischer Präsident fordert von Moskau Gaspreis-Moratorium bis 10. Jänner - Gazprom lehnt den Vorschlag ab und bekräftigt Lieferstopp-Drohung

Kiew/Moskau/Hamburg - Im Gas-Streit mit Russland hat der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko von Moskau ein Preis-Moratorium gefordert. Er regte in einem Telegramm an seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin an, die Verhandlungsfrist für die Gaslieferungen Russlands an die Ukraine bis zum 10. Jänner zu verlängern und die umstrittenen Gaspreise so lange auf dem jetzigen Niveau einzufrieren, wie das Präsidialamt in Kiew am Freitag mitteilte.

Juschtschenkos Telegramm war zwar direkt an Putin gerichtet, die Antwort kam allerdings vom russischen Gasmonopolisten Gazprom: dieser lehnte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Ria Nowosti den Vorschlag umgehend ab. Er sei "unannehmbar", hieß es demnach. "Sie wollen die Preise für zehn Tage im Jänner einfrieren - und dann wollen sie wieder zehn Tage", wurde Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow zitiert.

Lieferstopp-Drohung

Gazprom droht mit einem Lieferstopp von russischem Gas für die Ukraine ab Sonntag 08.00 Uhr MEZ. Hintergrund ist, dass Russland einen vier- bis fünffach höheren Preis als bisher verlangt. Der Preis für je 1.000 Kubikmeter Erdgas soll von derzeit 50 Dollar (42 Euro) auf 220 bis 230 Dollar (186 bis 194 Euro) angehoben werden. Das entspricht in etwa dem Weltmarktniveau. Der Schritt wird mit der Angleichung der Preise an das europäische Niveau begründet. Gleichzeitig zahlt aber Weißrussland wie bisher den Vorzugspreis von 47 Dollar.

Die Ukraine lehnt dies ab. Die Führung in Kiew befürchtet davon Nachteile für ihre energiehungrige Schwerindustrie und hat darum gebeten, die Erhöhung über fünf Jahre zu strecken.

Verhandlungen gehen weiter

Die beiden Staaten setzten am Freitag die bisher ergebnislosen Verhandlungen zur Beilegung des Streits in Arbeitsgruppen fort, meldete der staatliche russische Fernsehsender Rossija. Gazprom-Chef Alexej Miller bekräftigte im dem Staatsunternehmen gehörenden Fernsehsender NTV, der eigens sein Programm unterbrach, live: "Wir werden klar und entschlossen handeln."

Der ukrainische Ministerpräsident Juri Jechanurow erklärte in einem Radiointerview, sein Land erhalte nächstes Jahr 40 Milliarden Kubikmeter Gas aus Turkmenistan. Diese Lieferungen seien bereits vertraglich vereinbart, betonte er. Das ukrainische Notfallministerium kündigte am Freitag die Einrichtung eines Krisenstabes an, der im Fall einer Energieknappheit die Lage koordinieren soll.

Mit seinem Appell für ein Preis-Moratorium wollte Juschtschenko offensichtlich Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen. Internationale Beobachter werten die neue russische Energiepreispolitik gegenüber dem Nachbarland als politisch motiviert, da Juschtschenko in den Augen des Kreml zu stark westeuropäisch orientiert sei. (APA/AP/Reuters)

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    Der ukrainische Präsident Juschtschenko will Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen bringen.

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