Berlusconi wegen Verbindungen zu Skandalbanker Fiorani unter Druck

30. Dezember 2005, 20:29
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15 Million Euro-Kredit für Forza Italia, Darlehen für Bruder des Ministerpräsidenten

Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi ist wegen seiner Verbindungen zum inhaftierten Bankier Gianpiero Fiorani arg unter Druck geraten. Nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" soll die Banca Popolare Italiana (BPI), deren Chef Fiorani früher war, dem Bruder des Ministerpräsidenten, Paolo Berlusconi, Kredite in Millionenhöhe gewährt haben. Weiters soll die Bank auch Kredite im Wert von 15 Million Euro an Berlusconis Partei Forza Italia genehmigt haben.

Die Ermittler, die Fiorani vor zwei Wochen festgenommen haben, überprüfen derzeit Geldströme zwischen der Familie Berlusconi und der Bank, um angeblichen Unregelmäßigkeiten nachzugehen. "Es gibt Beweise, dass die geschäftlichen Beziehungen zwischen der Familie Berlusconi und Fioranis BPI eng waren", schreibt "Repubblica".

Übernahmekampf

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Fiorani, im Übernahmekampf um die Banca Antonveneta Unterschlagungen, Betrug und andere Straftaten begangen zu haben. Ihm wird auch das Plündern der eigenen Bank zu Lasten der kleinen Sparer vorgeworfen. Nach Erkenntnissen der Mailänder Staatsanwaltschaft arbeitete die Finanzabteilung der BPI wie eine Geheimbank, die auserwählten Kunden Kredite zu Vorzugsbedingungen gewährte. Zu den bevorzugten Kunden zählte auch der römische Immobilienhai Stefano Ricucci. Er soll von der BPI Finanzierungen in Höhe von 800 Mio. Euro erhalten haben. Gegen Ricucci nahm die römische Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Geheimkonten

Im Zuge seiner obskuren Geschäfte soll Fiorani auch auf den Cayman-Inseln Geheimkonten eröffnet haben. Auf den als Steuerparadies bekannten Inseln hatte der mit Fiorani verhaftete BPI-Manager Fabio Massimo Conti einen Investmentfonds gegründet.

Die Staatsanwälte überprüfen auch eine Reihe von Akquisitionen, die Fiorani in den letzten Jahren mit der Zustimmung des in der Vorwoche zurückgetretenen Notenbankchefs Antonio Fazio durchgeführt hat. Den Staatsanwälten berichtete Fiorani, wie er gezwungen worden sei, die von der Lega Nord gegründete Bank CrediEuroNord zu übernehmen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Die Lega hatte bis zuletzt Fazio vor den Attacken der Ermittler in Schutz genommen. Erst nachdem die Mailänder Staatsanwaltschaft bekannt gegeben hatte, wegen Insiderhandels gegen Fazio zu ermitteln, ließ die Partei von Umberto Bossi den "Governatore" fallen. (APA)

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