Vollmondweine und Syrah an der Donau

27. Dezember 2005, 17:00
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Traditionelle Bisamberger Sortenvielfalt findet man bei Rainer Christ in Jedlersdorf im Wiener 21. Bezirk. Und einen Heurigen, der kein Entsorgungsbetrieb für weniger Geglücktes ist

"Ich schätze es wenn Winzer nicht kategorisch und engstirnig an eine Sache herangehen", sagt Rainer Christ "sondern wenn sie auch Dinge in Betracht ziehen, die man früher immer beachtet hat, einfach, um sich die Sache leichter zu machen."

Aus dieser Einstellung heraus, entstand die Idee, "Mondkräfte in die Weinbereitung miteinfließen zu lassen", wie es heute bei weitem nicht nur bei biodynamisch arbeitenden Weingütern bei Arbeiten wie Rebschnitt, Umziehen von einem Fass ins andere etc. üblich ist. Seit 1997 entsteht ein Vollmond-Weißburgunder, zu dem Christ in manchen Jahren eine konventionell Vergleichsvariante dazu keltert. Mit dem Ergebnis, "dass der Vollmond-Wein bei Blindverkostungen, immer der üppigere, massivere Wein war, eine Eigenschaft, die sich mit der Flaschenreife verstärkt hat."

Rainer Christ hat sein "Grundrüstzeug in der Weinbauschule Klosterneuburg gelernt, ein Wissen, dass man dann allerdings adaptieren muss". Seit 2004 leitet er den Betrieb der Eltern, über den sich aber mehrere Gedanken machten: "Meine Eltern tragen eine große Portion zum Erfolg bei", so Christ.

Bewirtschaftet werden derzeit zehn Hektar, die zur Gänze am Bisamberg liegen, der "eigentlich eine geologisch vielfältige Hügelkette ist", so Christ. Der Bisamberg mit einem Grundmassiv aus Flysch-Sandstein ist gut für Grünen Veltliner, Urgesteinsschotter eignet sich für Riesling und das Plateau mit seinen Muschelkalkböden für Burgundersorten.

Dazu kommen rote Sorten wie Zweigelt, Cabernet Sauvignon oder Merlot, die aus einem Urwiener Winzer einen Rotweinspezialisten machen. Für Christ steckt doch einiger Sinn dahinter. "Die Sonneneinstrahlung an den Hanglagen und gute Erwärmung während des Tages", was zwar durch den Klimakorridor Donau in der Nacht abgekühlt wird und daher eher elegante, denn fette Rotweine ergebe.

Christ ist wahrscheinlich der einzige, der Wiener Syrah, den er 1998 am Bisamberg pflanzte, sortenrein abfüllt. Syrah sieht er als Pendant zum Grünen Veltliner, den Christ sehr schätzt. "Er kann sehr fruchtcharmant sein, aber auch mächtig und tiefgründig." Die Zweifel waren groß, aber auf der "passenden, warmen Lage" habe der Wein von Anfang an beeindruckt. (Luzia Schrampf, DER STANDARD – Printausgabe, 31. Dezember 2005)

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Weingut Christ
Amtsstraße 12-14
1210 Wien
Tel. (01) 292 51 52
Fax: (01) 292 51 52
weingut.christ@aon.at

Buchtipp:
"Die besten Weine Österreichs 2005/2006"
von Viktor Siegl und Rudolf Steurer ausgewählt.
9,95 Euro
Verlag Carl Ueberreuter
Wien 2005

14. Teil:
Weingut Schneider
Tattendorf
  • Artikelbild
    grafik: standard
  • Rainer Christ (30) pflegt seinen Heurigen als Institution: "Bodenständiges muss nicht banal sein."
    foto: standard/christian fischer

    Rainer Christ (30) pflegt seinen Heurigen als Institution: "Bodenständiges muss nicht banal sein."

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