Die Frau und das Auto

29. Dezember 2005, 21:13
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Jutta Kleinschmidt fährt zum 15. Mal die Dakar-Rallye, und will wieder siegen: Diesmal im Dieselauto

Lissabon - Jutta Kleinschmidt hat wieder Lust auf eine Premiere. Die erste Frau, die bei der Rallye Dakar zum Sieg gefahren ist, will beim Klassiker auch den ersten Sieg mit einem Dieselauto feiern. Auf dieses Ziel hat die 43-jährige Kölnerin, die nach der Dakar 2002 von Mitsubishi zu VW wechselte, nun vier Jahre hingearbeitet. "Für mich ist dieses Rennen die wichtigste Rallye in den letzten vier Jahren", sagt Kleinschmidt vor dem Start am Silvestertag in Lissabon. "Ich habe hart daran gearbeitet, ein Auto zu haben, mit dem man gewinnen kann." Auf dem Beifahrersitz nimmt die Italienerin Fabrizia Pons Platz.

Der Ehrgeiz der Diplom-physikerin, die jeweils als erste und bislang einzige Frau 1997 eine Dakar-Etappe gewann sowie 1999 die Rallye anführte und 2001 den Sieg holte, ist groß. Vor ihrer bereits 15. Dakar-Teilnahme bei der 28. Auflage der Rallye, die von Samstag bis zum 15. Jänner über 9043 Kilometer durch Portugal, Spanien, Marokko, Mauretanien, Mali und Guinea in Senegals Hauptstadt Dakar führt, hat sie noch einmal ihr Trainingsprogramm umgestellt.

"Ich habe einen Spezialisten für Biomechanik hinzugezogen. Das war für mich eine komplett neue Erfahrung", berichtet Kleinschmidt, die auch ohne Verbrennungsmotoren Gewalttouren nicht scheut. Sie überquerte schon die Alpen und radelte quer durch die USA. Daneben hat sie ihre große technische Erfahrung gezielt in die Weiterentwicklung des VW Touareg eingebracht, durch den die fünf VW-Piloten ihrer Meinung nach nunmehr ein Fahrzeug haben, mit dem Seriensieger Mitsubishi (Kleinschmidt: "Der stärkste Rivale") und sein Dakar-König Stéphane Peterhansel aus Frankreich attackiert werden können.

Die Teamspielerin

Aber trotz ihrer eigenen Ambitionen auf den Sieg präsentiert sich Kleinschmidt, deren neuestes Hobby das Hubschrauberfliegen ist, in ihrer Rolle als dienstälteste VW-Pilotin auch als Teamspielerin: "Sollte ich aus irgendeinem Grund nicht die Chance haben, ganz vorn mitzufahren, wird es mir sicher nicht schwer fallen, jemand anderem aus meinem Team zu helfen und für VW den Sieg zu holen. Ich habe an diesem Projekt von der ersten Stunde mitgearbeitet, das Team und das Fahrzeug mit aufgebaut. Wenn jetzt ein VW gewinnt, und es bin nicht ich, dann ist es trotzdem für mich ein großer Erfolg, an dem ich meinen Anteil habe." (sid, red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.12. 2005)

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    Jutta Kleinschmidt (links) und Beifahrerin Fabrizia Pons (rechts).
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