Soziale Schatten über Silvester

30. Dezember 2005, 21:39
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Angedrohter Streik bei Londoner U-Bahn, Aussicht auf weitere Jugendkrawalle in Frankreich und Sektboykott in Spanien

London/Paris/Madrid - Ein neues Dienstplanschema ist in London der Anlass für die Transportgewerkschaft RMT, für den 31. Dezember und den 8. Jänner, jeweils ab 12.00 Uhr, mit 24 Stunden Arbeitsniederlegung zu drohen. Die Gewerkschafter verlangen, dass dieses Schema wieder zurückgenommen wird. Die Verkehrsbetriebe TFL argumentieren, die Gewerkschaft habe in einer früheren Vereinbarung dem neuen Schema bereits zugestimmt.

Ein Streik bei der Londoner U-Bahn am 31. Dezember würde zu einem Verkehrschaos führen, da zur Teilnahme an den Silvesterfeiern hunderttausende Menschen erwartet werden. Sie würden doppelt enttäuscht sein, denn ursprünglich haben die Verkehrsbetriebe angekündigt, dass die Nutzung der U-Bahnen in der Silvesternacht kostenlos sein werde.

Bürgermeister Ken Livingstone kritisierte die Gewerkschaft. Sie versuchten Neujahr für tausende von Londonern zu ruinieren.

Überwachung in Paris

Schwerwiegendere Sorgen vor Silvester haben die Franzosen. Im ganzen Land wurde das Polizeiaufgebot verstärkt, um Unruhen zu verhindern. Nachdem Randalierer schon in den Vorjahren in der Neujahrsnacht hunderte Autos in Brand gesteckt hatten, befürchten die Sicherheitskräfte eine Wiederkehr der im November abgeflauten Krawalle.

Im Innenstadtbereich von Paris werden 4500 Polizisten und Gendarmen eingesetzt, um Ausschreitungen zu vermeiden. Laut Angaben der Polizei sollen die Champs-Elysées und der Eiffelturm unter besonderer Beobachtung stehen, weil dort in der Silvesternacht hunderttausende Menschen zusammenströmen.

Der Gebrauch von Feuerwerkskörpern, die in Frankreich zu Silvester allerdings ohnehin weniger üblich sind als in anderen Ländern, wurde verboten.

Sektlos in Spanien

In Spanien kündigt sich, ausgenommen in der Region Katalonien, ein schaumweingebremster Silvesterabend an. Weinhändler bleiben auf ihren Beständen an Cava, wie der spanische Sekt genannt wird, sitzen. Der Grund: In Spanien läuft seit Monaten eine Boykottaktion gegen katalanische Produkte. Und der Cava ist das bekannteste Exportprodukt Kataloniens.

Der von Konservativen angezettelte Boykott entzündete sich an der Forderung der Katalanen, dass ihre Region, die wirtschaftsstärkste in Spanien, als "Nation" anerkannt wird und über ihre Finanzen selbst entscheiden kann.

Der Boykott trifft aber auch Spanier außerhalb Kataloniens, da die dortigen Weinkellereien das Glas für ihre Flaschen, Korken und Verpackungsmaterial aus anderen Regionen beziehen. Deshalb glauben Experten, dass die Aktion bald abflaut. Für das Silvestergeschäft ist es aber sicher zu spät. (AP, AFP, dpa, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Dezember 2005)

  • Das Riesenrad in London wird zu Silvester in Betrieb sein, ob auch die U-Bahn, war vorerst wegen einer Streikdrohung ungewiss.
    foto: epa

    Das Riesenrad in London wird zu Silvester in Betrieb sein, ob auch die U-Bahn, war vorerst wegen einer Streikdrohung ungewiss.

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