Hoffen auf "Zurückhaltung" beim Knallen

30. Dezember 2005, 21:39
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Über Österreich verpuffen acht Millionen Euro zu Silvester - 300 Verletzte bleiben zurück

Wien - Kurz vor der Silvesternacht gab es am Donnerstag noch einen Appell sowie eine Warnung durch die Exekutive: Das Innenministerium erhofft sich "Zurückhaltung bei der Verwendung von Feuerwerks- und Knallkörpern" zum Jahreswechsel. Besonders alte und kranke Menschen würden unter Lärm leiden, hieß es am Donnerstag.

Außerdem wurde die Polizei angewiesen, bei Verstößen gegen das Pyrotechnikgesetz "gezielte Maßnahmen" zu setzen. Das Pyrotechnikgesetz verbietet die Verwendung von pyrotechnischen Artikeln der Klasse II (Kleinfeuerwerk) innerhalb des Ortsgebietes. Besonders streng gilt das Verbot für den Nahbereich von Einrichtungen, in denen sich überwiegend alte, kranke oder sonst ruhebedürftige Menschen aufhalten (also Krankenanstalten, Kinder-, Alters-und Erholungsheime).

Ob die Appelle etwas nützen, bleibt abzuwarten. Tatsache ist: Den Österreichern ist die Knallerei jedes Jahr viel Geld wert. Acht Millionen Euro investieren sie laut Angaben der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Knaller und Raketen. Heuer rechnet die Branche wieder mit einem leichten Umsatzzuwachs, nachdem sie im vergangenen Jahr Einbußen um 20 Prozent hinnehmen musste, wie ein Großhändler sagte. "Viele werden Silvester wieder ausgelassener feiern können, was Angesichts der Tsunamikatastrophe im Jahr 2004 nicht möglich war", erklärte Kurt Lang, Geschäftsführer des Bundesgremium des Eisen-und Hartwarenhandels der WKÖ. Nach der weihnachtlichen "Konsumfreude" erwarte er sich, dass bei Krachern in den rund 10.000 Verkaufsstellen wieder zugegriffen wird.

Dass dies getan wird, fürchtet man auch beim Institut Sicheres Leben. "Mindestens 300 Personen müssen jedes Jahr ins Krankenhaus, weil sie sich an Raketen und Knallkörpern verletzen", berichtete Institutsleiter Rupert Kisser. Und: "Menschen, die Gehörschäden erleiden, sind in dieser Zahl noch nicht einmal inkludiert." Mehr als ein Drittel der Verletzten ist unter 15 Jahre alt.

Rund 1000 Österreicher tragen Jahr für Jahr schwere Hörschäden durch Silvesterböller davon, schätzt die Initiative "dazugeHÖREN". Wenig Wunder, können Feuerwerkskörper Spitzenpegel bis zu 170 Dezibel erreichen - die mehrfache Lautstärke eines Düsenjets. (APA, pm, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Dezember 2005)

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