Notbremse für Schröder

29. Dezember 2005, 19:07
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Im Aufsichtsrat von Gasprom wäre Schröder Helfeshelfer einer Strafaktion gegen Ukraine - ein Kommentar von Alexandra Föderl-Schmid

Spätestens jetzt müsste dem deutschen Altkanzler Gerhard Schröder klar sein, dass er sich in Teufels Küche begibt, wenn er den Job beim staatlichen russischen Energiekonzern Gasprom annimmt. Denn beim Streit um Gaslieferungen von Russland an die Ukraine geht es um beinharte Machtpolitik und russische Hegemonialansprüche. Es ist offensichtlich, dass die Drohung, der Ukraine den Gashahn zuzudrehen, falls sie nicht ab 1. Jänner fünfmal so viel wie bisher pro Kubikmeter Erdgas zahlt, einen politischen Hintergrund hat. Dies ist eine Retourkutsche für den prowestlichen Kurs der Ukraine nach der orangen Revolution vor einem Jahr, denn dem Moskau-treuen Weißrussland wird keine Preiserhöhung angedroht. Wenn Schröder den von seinem Freund, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, vermittelten Job tatsächlich antritt, macht er sich zum Helfershelfer dieser Strafaktion.

Aber nicht nur die Ukraine ist betroffen, auch Westeuropa - und damit auch Deutschland - ist von den Erdgaslieferungen abhängig. 80 Prozent der für Westeuropa bestimmten russischen Erdgasexporte fließen durch die Ukraine. Deutschland deckt 35 Prozent seines Erdgasbedarfs durch Importe aus Russland, in Österreich waren es im Vorjahr 59 Prozent.

Auch wenn Schröder "nur" Aufsichtsratschef jenes Konsortiums werden soll, das für Bau und Betrieb der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline zuständig ist, und an dem neben Hauptgesellschafter Gasprom auch die deutschen Konzerne Eon und BASF beteiligt sind, gilt: mitgehangen, mitgefangen. Auch dieses Pipelineprojekt hat schon genug außenpolitischen Schaden verursacht, wenn man sich die negativen Reaktionen in den baltischen Staaten und in Polen anschaut. Das nunmehrige Vorgehen der Gasprom gegen die Ukraine und die drohenden Auswirkungen auf die Energieversorgung in Westeuropa sollten für Schröder der Anlass sein, endlich die Notbremse zu ziehen. (DER STANDARD, Printausgabe 30.12.2005)

  • Wenn Schröder den von seinem Freund, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, vermittelten Job tatsächlich antritt, macht er sich zum Helfershelfer einer Strafaktion gegen die Ukraine.

    Wenn Schröder den von seinem Freund, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, vermittelten Job tatsächlich antritt, macht er sich zum Helfershelfer einer Strafaktion gegen die Ukraine.

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