Wo Hören und Sehen vergehen können

4. Juli 2006, 22:08
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Mobilisiert die ÖVP die letzten Monikaner, kommt die Telenovela "Werner – Wege zum Mück"? TV, Radio, Printmedien, Werbung: Was Sie 2006 erwartet

"Warten auf GD" ist 2006 frei nach Beckett auf dem Küniglberg Programm. Mobilisiert die ÖVP die letzten Monikaner, um Lindner nochmals zur ORF-Generaldirektorin zu machen? Kommt die Telenovela "Werner – Wege zum Mück"? Fix ist: Viele brauchen 2006 einen neuen Fernseher.

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Die Molterei auf der Bounty, hoch droben auf dem Küniglberg, läuft jedenfalls noch bis zur Nationalratswahl 2006. Die "ZiB 1" ist schwärzer denn je, erhob Mediawatch für den STANDARD. Den Jahresbericht über Politikerauftritte im ORF finden Sie Samstag an dieser Stelle.

Wilhelm Molterer, Klubobmann, Mediensprecher und ORF-Kontakter der ÖVP versicherte Generaldirektorin Monika Lindner gerade via APA neuerlich seiner Unterstützung für eine Wiederwahl. Stets mit der Einschränkung "wenn sie kandidiert". Solche Ambitionen hat die 61-Jährige öfter bekundet, meist "nach derzeitigem Stand".

Alternative

Oft kolportierte Alternative: TV-Chefredakteur Werner Mück, bald 61. Da die ÖVP zuletzt Chancen auf die absolute Mehrheit im Stiftungsrat vergeigte, wird es schwieriger für den Bürgerlichen.

Für die Absolute im Stiftungsrat oder eine Näherung bleiben der ÖVP nur noch die Regierungsstiftungsräte, die sie dem BZÖ noch abluchst. Am 27. konstituiert sich jener Stiftungsrat, der im August den ORF-General wählt und dann – überwiegend neu – die übrigen Direktoren.

Abgänge

Für eine Reihe höherer ORF-Chargen stellt sich 2006 die Frage: Werden sie mehr oder gehen sie in Pension? Für den weit rechten ORF-Chefredakteur Walter Seledec wurde entschieden: Abgang im Jänner 2007. Archivleiter Peter Dusek kann langsam an die Rente denken. Ö1-Chef Alfred Treiber wird 2006 62, im ORF Zeit zu gehen. Außer für Generäle und Personalvertreter wie den mächtigen bürgerlichen Zentralbetriebsratschef Heinz Fiedler. Der wird 64 und macht munter ORF-Politik.

Kategorie Ambitionen

Zur Kategorie Ambitionen zählt Elmar Oberhauser. Schon am 1. Jänner 2006 könnte der Sportchef nach eigenen Worten in Pension gehen. In seiner Spielklasse findet sich auch Planungschef Wolfgang Lorenz (61), auf den Kanzler Wolfgang Schüssel derzeit aber wegen Nackigkeiten bei "25 Peaces" wohl etwas weniger gut zu sprechen ist.

Trost für die ORF-Direktoren im letzten Jahr: Nach Gehaltseinbußen wegen mieser Quoten 2005 können sie für 2006 wieder mit vollem Bonus rechnen. Sie schraubten das Ziel herunter, zugleich heben diverse Weltmeisterschaften und die Wahl die Quote.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten was uns 2006 im TV, im Radio, in den Printmedien und der Werbung erwartet! Seite 2: Das End ist nah - des gewohnten Fernsehens

Das End ist nah - des gewohnten Fernsehens

2006 beginnt der Umstieg auf Digital-TV über Antenne - Über Satellit läuft er längst

Bald nach Jahreswechsel will die Medienbehörde KommAustria der ORF-Sendertochter den Zuschlag erteilen. Diese ORS hat sich schließlich auch als Einzige beworben, digitales Fernsehen in Österreich über Antenne auszustrahlen.

Ihr Zeitplan klingt ambitioniert: Bis Ende 2006 will die ORS schon 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung mit digitalem Antennen-TV versorgen. Um es zu empfangen, braucht es einen Decoder in der guten Stube oder einen neuen Fernseher mit eingebautem Decoder.

Anschaffung eines Decoders

Wer ohne Empfang über Digitalsatellit oder Kabel ORF 1, ORF 2 und ATV+ sehen will, sollte langsam an die Anschaffung eines Decoders denken. Denn schon im Frühjahr 2007 will die ORS die ersten der gewohnten Analogsignale in digital versorgten Gebieten abdrehen. Das macht Kapazitäten frei für neue Angebote, etwa Digital-TV für Handys, kurz DVB-H.

Digital-TV für 77 Prozent der Bevölkerung

Ende 2007 will die ORF-Tochter 77 Prozent der Bevölkerung mit digitalem Fernsehen beliefern, Ende 2008 dann 91 Prozent. Jeweils ein paar Monate später verabschieden sich die jeweiligen Regionen vom analogen Fernsehen.

Über Digitalsatellit und Kabel kommen ORF & Co weiterhin. Decoder für digitales terrestrisches Fernsehen brauchen die auf Antenne angewiesenen Zweitgeräte in Kinderzimmer oder Küche. Zudem noch analoge Satseher (die wohl eher auf Digitalsatellit umsteigen) und jene noch 13 Prozent der TV-Haushalte, die ganz auf Kabel und Sat verzichten.

Digitalen Satellitenempfang haben laut Fessel GfK 580.000 von 3,1 Millionen österreichischen TV-Haushalten, also rund 18 Prozent. Branchenkenner schätzen die Zahl der Haushalte mit digitalem Satellitenempfang inklusive Premiere auf mehr als 700.000. ORF digital kam zuletzt auf 470.000 Haushalte.

Seite 3: Radio - Luftkampf um Wien

Luftkampf um Wien - Neue Radiofrequenz wird 2006 zugeteilt

Bis zum Sommer will die Medienbehörde Komm-Austria den Betreiber der neuen Wiener Radiofrequenz 98,3 Mhz gefunden haben. Zwar ist das Gedränge im Luftraum über Wien schon groß, aber Chancen auf eine Frequenz sind selten, die 1,7 Millionen Menschen erreicht.

Zwei Dutzend Bewerbungen

Zwei Dutzend haben sich beworben, darunter ein Inforadio des STANDARD. Beobachter geben der Styria gute Chancen. Die Stadt Wien empfiehlt Lounge FM. Zu hören ist der Sender nicht vor 2007: Wer ihn bekommt, muss mit Einsprüchen der Konkurrenz rechnen.

Weiter zu Seite 4: Print - Fellners Solo, "News"-Abwehr, neues Wochenblatt

Bruder wider Willen

Fellners Solo, "News"-Abwehr, neues Wochenblatt

Wieder eine Telenovela für 2006: "Helmuth - Bruder widerwillig". Helmuth Fellner, den kongenialen jüngeren Bruder Wolfgangs, sucht man vergeblich in jener Vielzahl von Firmen, die hinter dem Fellner'schen Tageszeitungsprojekt stehen. Sie gehören der Wolfgang Fellner Privatstiftung, Helmuth Fellner kümmert sich um Beteiligungen und hält sich aus dem operativen Zeitungsgeschäft heraus.

Das Blatt soll im Frühherbst 2006 erscheinen. Bis dahin werden wir wöchentlich aufgeregte Meldungen dazu lesen, etwa welche Fellner-Veteranen noch anheuern.

Nach massiven Abgängen Richtung Fellnerblatt verteilt die News-Gruppe Gehaltserhöhungen - gegen zweijährigen Kündigungsverzicht. Die Gründerbrüder Fellner halten dort noch 18,7 Prozent.

Den Zeitschriftenkonzern um "News" soll der flinke Mannheimer Oliver Voigt ab Jänner gegen die Fellners verteidigen, Rudi Klausnitzer tritt vorzeitig als "News"-Boss ab.

Die Styria bastelt weiter an ihrer Wiener Magazindependance Styria Multimedia mit "Wiener", "Wienerin", "Diva" und hofft auf die Mehrheit am "Wirtschaftsblatt".

Eine neue Wochenzeitung namens "Economy" über Wirtschaft und Forschung startet Christian Czaak, früher beim STANDARD, noch im Jänner.

Die "Krone"-Eigner WAZ und Hans Dichand streiten 2006 munter weiter. Dichand wird Ende Jänner 85.

Seite 5: Werbung - Clint Eastwood geht - Chefwechsel bei Ogilvy, Ostfantasie, Dauersieger

Clint Eastwood geht

Chefwechsel bei Ogilvy, Ostfantasie, Dauersieger

Nach 44 Jahren verabschiedet sich Chairman und CEO Wolfgang Slupetzky (65) von seiner Agenturgruppe Ogilvy Österreich sowie Ogilvy Zentral- und Osteuropa.

Ein notorischer Netzwerker mit ausgezeichneten Politkontakten: Ogilvy warb 2002 erfolgreich für Wolfgang Schüssel, mit weniger Fortüne 2005 für Benita Ferrero-Waldner und in zahlreichen weiteren Wahlen für die ÖVP. Sein Nachfolger bei Ogilvy Österreich, einer der größten Agenturen des Landes: Florian Krenkel, lange Sprecher von Außenminister Alois Mock und Kanzler Schüssel. Jäger, Golfer und Kontaktsammler "Slu" pflegt Kundenbeziehungen - etwa zu Raiffeisen und Uniqa - als Freundschaften.

Spät brachte es Ogilvy unter dem "Clint Eastwood der Werbung" (ein Kollege ob optischer Ähnlichkeiten) zu kreativen Spitzenplätzen. Die Verantwortlichen engagierte die Lowe GGK ab. Ironie: Dort zog weiland Slupetzkys rotes Pendant, Politnetzwerker Hans Schmid, die Fäden. Seither verlor die GGK Glanz.

Und sonst? Jung-von-Matt-Chef Holger Jung sprach im STANDARD für 2006 vom Zielmarkt Osteuropa, Brückenkopf: Berlin oder Wien. Springer & Jacoby wird verkauft. Kann Wien Nord Pilz den Preisregen 2005 in Kundengewinne umsetzen? Und wetten, dass Demner, Merlicek & Bergmann auch 2006 die Rankings der größten und kreativsten Agenturen anführt? (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 30.12.2005)

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derStandard.at
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    Von diesen beiden werden wir 2006 noch hören: ORF-Generalin Monika Lindner, Blattmacher Wolfgang Fellner.

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