Lukaschenko erhält weiter russisches Gas zum Vorzugspreis

Redaktion, 09. Jänner 2006 14:31

Der weißrussische Präsident rettete Sonderkonditionen mit Verweis auf russische Militärbasen im Land und sieht politische Motive für Preiserhöhung

Moskau - Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat indirekt bestätigt, dass die vom staatlichen russischen Konzern Gazprom verlangte Gaspreiserhöhung für die Ukraine einen politischen Hintergrund hat. "Zu den Gründen, wieso der Gaspreis für die Ukraine nun auf diesem Niveau festgesetzt wird, gehört nach Ansicht von vielen nicht zuletzt die West-Orientierung der Ukraine", sagte der autoritär regierende Präsident in einem Interview mit der Moskauer Zeitung "Rossiskaya Gaseta".

"Schauen Sie sich Weißrussland an. Haben wir angekündigt, dass wir der NATO beitreten werden? Nein. Ich glaube, dass wir im Verhältnis zum Westen sogar eine radikalere Position als Russland haben", sagte Lukaschenko. Weißrussland erhält weiterhin russisches Gas zum Vorzugspreis (47 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter). Russland hatte sich im Vorjahr verärgert über die "Orangene Revolution" in der Ukraine gezeigt, die den pro-westlichen Politiker Viktor Juschtschenko ins Präsidentenamt getragen hatte.

Nicht der erste Versuch

Allerdings habe Russland schon vor eineinhalb Jahren einen Versuch unternommen, die Sonderkonditionen für Gaslieferungen nach Weißrussland zu verändern. Damals ging es darum, das Preisniveau an jenes der Ukraine anzugleichen, was für Minsk Mehrkosten in Höhe von 150 Millionen US-Dollar (126,8 Mio. Euro) bedeutet hätte. "Aber wir haben jene Dienste gegengerechnet, die wir für Russland erbringen und die sich auf mindestens 900 Millionen Dollar belaufen. (..) Ich habe damals gesagt: 'Gut, wir zahlen 150 Millionen, aber ihr zahlt dann auch die 900 Millionen.' Und die Frage (der Preiserhöhung) war vom Tisch." Konkret gehe es um die Militärbasen, die Moskau in Weißrussland unterhalte und für die es "nicht einmal eine Kopeke" zahle.

Wahl im März

Lukaschenko stellt sich im März der Wiederwahl, an der angesichts der diktatorischen Verhältnisse in der Ex-Sowjetrepublik kaum gezweifelt wird. Er bezeichnete sich selbst als "scharfes Messer" gegenüber dem Westen. Die Umstürze in der Ukraine und ein Jahr zuvor in Georgien, wo der pro-westliche Politiker Michail Saakaschwili an die Macht gekommen war, charakterisierte Lukaschenko als "mit westlichem Geld gesteuerte gewaltsame Machtergreifung im Interesse von Eliten". "In den Vereinigten Staaten und anderen Staaten applaudieren sie. Aber was wäre, wenn ihnen das gleiche passieren würde? Was würden sie denken? Wer könnte einem einheimischen Saakaschwili zustimmen, der in den US-Kongress oder das britische Unterhaus stürmt und auf den Bänken herumzuhüpfen beginnt?" (APA/Reuters/AFP)

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XO3E KAPEPAC!
04.01.2006 21:43
ich kann ja indoktrinierten russenhass irgendwie verstehen,

aber dieser artikel ist unbeschreiblich.

letztes jahr wurde weißrußland genauso der hahn zugedreht wie der ukraine. die gespielte hysterie der fastfreien westpresse hielt sich in grenzen.

und lukaschenko hat diesen zustand nicht durch das zusammenstellen und präsentieren virtueller rechnungen abgeändert, sondern mit der (über 100 millionen usd schweren) verpflichtung der netzwerksreparation und -wartung.

abgesehen davon, das eine entscheidung "nur" aus politischen gründen nicht nur legitim, sondern auch logisch wäre. wenn die usa ein legitimes recht zur einmischung in weißrussland sich zugestehen, dann wohl der nachbarstaat rußland erst recht!

mfg

maria grimm
02.01.2006 23:07
nicht nur lukaschenko erhält gasgeschenke

auch georgien, lettland und moldawien zahlen mit weniger als 120 Dollar (zT 80) weit unter den Weltmarktpreisen. georgien ist ja auch buntrevolutionniert, lettland bemüht sich massiv um ein schlechtes verhältnis zu russland und mit moldawien ist man wegen transnistrien im dauerclinch.
es ist also einfach unkorrekt hier zusammenhänge zu konstruieren, (lukaschenko= böse ->böse=billiges russisches gas-> russland=bös) die schlicht falsch sind.
wobei wenigstens für lettland die bezeichnung böse (sehr böse, weil unterdrückung von minderheiten) wirklich stimmen würde.

pepitant
02.01.2006 14:53
Ich verstehe den Kapitalismus offenbar nicht.

Wenn ich Eigentümer von irgendwas bin, was ich gerne vekaufen möchte, muss ich dann jemanden Fragen, wen ich als Käufer akzeptiere und wen nicht ?
Oder wem ich wieviel zu welchem Preis verkaufe ?

An alle Anti-Putins hier im Forum:
Bitte geben Sie doch ein Beispiel dafür bekannt, welcher Verkäufer ( Staat, Konzern, werauchimmer ) allen potentielen Kunden den gleichen Preis bietet.

Und bedenken Sie bitte, dass auch politische Zugeständnisse letztlich als Ware zu betrachten und daher einen ins Geschäft einfließenden Geldbetrag wert sind.
Die EU hat in der Ukraine einen Anti-Russland Wahlkampf mitfinanziert. Jetzt hätte sie gern, dass die Russen über verbilligtes Erdgas den gegen sie geführten Wahlkampf selbst bezahlen.

Björn Einer Romören
03.01.2006 13:52

Des Milchpackerl im Billa is für jeden gleich teuer.
Und a ÖVP-Mitgliedschaft machts auch ned billiger.

Walter Bimini
03.01.2006 22:47
großabnehmer kaufen auch nicht bei billa

oder bilden sie sich wirklich ein z.b. denselben stromtarif wie die industrie zu bekommen. ihr privileg besteht bestenfalls darin für die stranded costs der wew aufzukommen.
also auch im westen gibt gleiche und weniger gleiche.

fetzen schädel
31.12.2005 14:30
im fall der ukraine

kann man nur sagen man sollte sich halt vorher ansehen wie weit man sich aus dem fenster lehnen kann ohne abzustürzen.

dasVi
03.01.2006 10:34
ja, da hat sich die Ukraine wohl

sehr sehr weit aus dem fenster gelehnt, jetzt müssen die schauem wie sie über den kalten winter kommen.
Es ist wohl sehr peinlich wenn den Boss persöhnlich vorbei kommt und einen die lichter zudreht.
Bis jetzt kennt man das ja aus private Haushalte, wenn einen der Strom zugedreht wird... aber einen ganzen Land die leviten zu lessen, das ist neu... oh wie peinlich Herr Viktor Juschtschenko , damit gehst du in die Geschichte ein man, du alter Pleitengeier..... na dann mach mal alter

kawasakii
31.12.2005 20:43
Was soll daran schlecht sein????

Wenn die Ukraine ein Teil der EU sein möchte, bekommt es das Gas auch zu den gleichen Preis wie die EU-Länder.
Was soll daran verkehrt sein??????
Russland tut der Ukraine nur einen Gefallen, da das Geld aus der EU-Kasse gezahlt wird und sich so Ukraine schneller an die Abhängigkeit der EU und zu ihrer Intergation beitragen möchte.
Man kann nicht das Beste aus beiden Welten haben.

christian bradach
31.12.2005 18:42
der herr lukaschenko....

zum herrn lukaschenko sei noch angemerkt, dass er noch vor gar nicht so langer zeit auf kosten eines oester. gluecksspielunternehmens urlaub am arlberg gemacht hat...wer den namen des unternehmens kennt, wird sich weiter nicht wundern.....

Gerhard Müller
29.12.2005 18:49
Das ist ein Preis!

Wenn du willig bist, dann kriegst gleich einen Preis aufgebrummt, der ungefähr dem 200fachen des Weltpreises entspricht. Kein Wunder, dass niemandem in Belarus warm wird!

47$ für einen Kubikmeter - das ist wahrlich ein stolzer Preis!

Walter Bimini
31.12.2005 06:17
tut mir leid - anscheinend hat die redaktion wieder einmal falsche zahlen veröffentlicht

Walter Bimini
30.12.2005 21:11
lesen sollte man können

47$ pro 1000 kubikmeter

Andrei Tchoubrikov
29.12.2005 21:19
Ausser der EU gibt's noch Intergrationsprozesse...

... einer davon heisst "russisch-belarussischer Unionsstaat" und ein anderer "Gemeinsamer Wirtschaftlicher Raum" (E'EP). Bei beiden werden die Wirtschaftsregelungen vereinheitlicht. Darunter fallen auch Preisregulierungen, etwa für Energie (Strom, Öl, Gas, Kohle), Transport u.s.w.

Wer da mitmacht, profitiert von den GEMEINSAMEN Preisen. Wer nicht will, muss FRÜHER ODER SPÄTER zur Kassa und Weltmarktpreise zahlen.

Das ganze schaut aber immer mehr nach einer Strafaktion gegenüber dem Janukowitsch-Lager im Süd-Osten der Ukraine vor den Parlamentswahlen 2006, denn Juschenko-Gebiete im Westen und Kiew haben keine Industrie und brauchen keinen Erdgas, die im Osten schon. Sicher kein Zufall.

Walter Bimini
30.12.2005 21:35
ich glaube,

hier hören Sie das gras zuviel wachsen. rußland ist sowieso dabei, nach und nach westlich-kapitalistische spielregeln anzuwenden. warum sollte es auch seine resourcen an unfreundliche staaten verschenken? geschenke macht man nur freunden. rußland braucht sowieso geld, um seine wirtschaft aufzubauen. hoffentlich nützt es die gunst eines höhen ölpreises dazu.

Andrei Tchoubrikov
30.12.2005 22:09
MSK und SPB vielleicht,

aber ausserhalb der Hauptstädte ist sogar die Sowjetzeit noch nicht so recht angekommen :) Das sieht man auch am Gazprom (Riesenkonzern im Dienste des Präsidenten und "nationaler Interessen").

Marktwirtschaft und Kapitalismus wird in Russland nicht laufen. Sowas gibt's in Reinform nichtmal in Europa/USA selber. Es wird angepasst müssen um auch den natürlichen Gegebenheiten (kalt, gross) zu entsprechen. Russland braucht halt starke Männer/Frauen, und nicht NGO's & Aktienfonds -- frei nach dem Motto "Arbeit schafft Wachstum, und nicht das Wirtschaftswachstum schafft Arbeitsplätze".

Walter Bimini
31.12.2005 06:15
der räuberkapitalismus hat noch nie funktioniert

und ist auch schon öfter baden gegangen. woraufhin seine anhänger trotzdem nicht nach etwas anderem gerufen haben. manche wollen es halt so vorallem wenn es vornehmlich andere die nachteile ausbaden müssen. schließlich gibt es nichts erbärmlicheres als einen kapitalisten ohne kapital.

R. Rosarius
30.12.2005 15:10
"Integrationsprozesse" mittels diktatorischer mittel

gab es schon oft (z.b. III. Reich).
Übrigens:Der letzte diktator westlich von Moskau Lukaschenko bestätigt sogar, dass die jetzige preiseskalation rein politisch motiviert ist.

Andrei Tchoubrikov
30.12.2005 22:02
diktatorische Integration ?

Belarus hat neben Estland den höchsten Lebensstandard in dex ExUdSSR, und das ohne jeglich Rohstoffe !

Ohne den belarussischen Maschienenbau stünden 2/3 des russischen Maschienbausektors (80% der bel. Produkte besteht aus russischen Komponenten).

Belarus bildet einen "sicheren" Transitkorridor EU-RF, was man von UA nicht sagen kann (allein der Zoll & Strassenpolizei in Galizien).

Bis auf paar notorische Freiheitskämpfer (vom Type Nowodworskaja, Hakamada, Nemzow und Tschubajs in Russland) geht es den Leuten weit aus besser, als den meisten Leuten in Osteuropa.

Nur weil Lukaschenko nicht alles gleich ruiniert hat wird er im Westen gehasst. Klar, dass Reformen notwendig sind, aber das Vorbild sollte Slowenien sein, und nicht Kirgisien.

Björn Einer Romören
03.01.2006 13:57

Ziehens doch hin, wenns so schön is!

Walter Bimini
03.01.2006 22:54
rußland ist auf jeden fall ein schönes land

ob es immer einfach dort zu leben ist, ist eine andere sache.
wohingegen deutschland ein schreckliches land ist. auch österreich wird immer häßlicher. es ist zwar nocht ganz so zugepflastert und zubetoniert wie deutschland, aber schön würde ich es nicht mehr nennen. auf einem satellitenatlas sieht der österreichische wald aus wie ein pelz in dem motten hausen.

Mike Myers
01.01.2006 12:33
die Zahlen sehen anders aus:

(abgesehen davon, dass ein Präsident, der nicht mal die Sprache seines Volkes spricht und sie deswegen verbietet schon ein bisserl strange ist)

ist Weißrussland NICHT AUF NUMMER 2 der Ex-UdssR Länder (dort war man 2002, jetzt ist man auf Nummer 5)

BSP 2004: Weißrussland 1600 USD
Estland 5830 USD
Lettland 4400 USD
Littauen 4500 USD
Russland 2130 USD

Und: Einfach zum Nachdenken: BSP Weißrussland 2002: 2620 €: Also von 2002 auf 2004 ein Minus von 35%, Dollarbereinigt noch immer 12% - powered by Alexander Lukaschenko.

Und: Einfach zum Nachdenken II: Vielleicht wäre das Ausgangsniveau 2002 ohne sowjetische Misswirtschaft auch ein anderes gewesen?

D.Schmid
04.01.2006 03:39
Kaufkraft ist nicht irrelevant!

Lieber Herr! Danke für Ihren Beitrag!
Da in Belarus und anderen Ex-UdssR-Statten viele Waren sehr billig sind, sieht der Reichtum gemessen an der Kaufkraftparität besser aus (Quelle: www.imf.org Economic Outlook Database)
BSP (2005) in PPP (purchase power parity) per capita:
Belarus: 7229 USD
Estland: 16461 USD
Lettland: 13059 USD
Litauen: 14337 USD
Russland: 11209 USD
Ukraine: 7181 USD

Jedoch liegt Belarus zugegebenermassen auch hier auf Platz 5!

pepitant
04.01.2006 10:52
Die Statistik und ihre Aussagekraft.

Ich komm aus Ungarn ( 56 ) , wo auch meine Verwandten noch leben.
Ja, die hatten nicht mal ein Zehntel meines Einkommens, aber meine Wiener Wohnung ( 120 m² ) kostet mich monatlich 700 € Miete, meine Cousine in Sopron zahlte für 60 m² etwas über 2300 Forint ( vor der Preisanpassung ! ) incl. Betriebskosten, wozu dort auch Energie, Rundfunk und Telefon zählten.

Die Ungarn beginnen inzwischen auch schon die Vorteile für die Reichen und die Nachteile für alle anderen in der EU zu spüren.
Was ich ausdrücken möchte ist: Eine einzelne, aus dem Zusammenhang gelöste Statistik, sagt aus, was derjenige, der sie verwendet, will.
Eine Einnahmen betreffende Statistik ohne die dazugehörenden Ausgaben sagt über die Gesamtsituation genau nichts aus.

Cedo .
30.12.2005 16:25
wer nicht denken kann/will, soll schweigen!

niemand im pösen moskau zwingt die ukraine russisches gas zu kaufen.

niemand im pösen moskau hindert die eu, der ukraine gas zu russischen preisen zur verfügung zu stellen.

zu unapetittlichen vergleichen mit dem 3. reich (gerade als geschichtsrevisionist/ösi sollte man den unterschied kennen) will ich nichts sagen, genausowenig den begriff "erpressung" erklären, das sollte schon vorhanden sein.

weißrussland wird 2008 einen unionsstaat mit der rf bilden, warum sollten die mehr zahlen als die russen? sollen tiroler auch mehr für energie zahlen (ist der umkehrschluss ihres infantilen geschreibsels)?


mfg

R. Rosarius
30.12.2005 20:52
Über die diktaturen im osten wird allzuviel

geschwiegen. Cedo kann also beruhigt sein.

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