Prozessbegleitung für misshandelte Frauen und Kinder

29. Dezember 2005, 12:55
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Änderungen der Strafprozessordnung ermöglichen auch Opfern von Gewalt- und Sexualstraftaten Anspruch ab 1. Jänner 2006

Graz - Gemäß den Änderungen der Strafprozessordnung haben Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten ab 1.1.2006 einen Anspruch auf psychosoziale und juristische Prozessbegleitung. Das bedeutet, dass auch im Bereich der familiären Gewalt Frauen und Kinder einen Anspruch auf unentgeltliche psychosoziale und rechtsanwaltliche Prozessbegleitung haben. Dieser Bereich wird vom Bundesministerium für Justiz finanziert. In der Steiermark wird sowohl die psychosoziale als auch die anwaltliche Prozessbegleitung vom Gewaltschutzzentrum der Interventionsstelle gegen familiäre Gewalt angeboten.

Bislang Angebot ohne rechtliche Grundlage

"Dieses Angebot hat sich bewährt", so die Leiterin des Gewaltschutzzentrums Interventionsstelle Steiermark, Marina Sorgo. "Die Prozessbegleitung wird von uns bereits seit zehn Jahren angeboten, nur bisher ohne rechtliche Grundlage und ohne finanzielle Abdeckung." Die komplexen Bedürfnisse der misshandelten Frauen und Kinder zu berücksichtigen und diese so schonend wie möglich durch einen Strafprozess zu begleiten ist das Mindeste, was man für Opfer von Gewalt tun könne. Es sei wichtig, dass Frauen ihre Ängste vor einer Strafverhandlung aussprechen können, dass sie vorher über den Ablauf informiert werden und nicht alleine hingehen müssen, so Sorgo.
Zum Beispiel erfolgt dies auch in Form von Rollenspielen, mit Hilfe eines extra angefertigten Minigerichtes (siehe Foto); bei Kindern auch mit Unterstützung des Kinderbuches "Milli ist beim Gericht", und einem Gerichtsmalbuch sowie anderer Hilfsmethoden.

Was ist Prozessbegleitung?

Prozessbegleitung hat das Ziel, die Rechte der Opfer im Verfahren geltend zu machen, damit diese sich gestärkt und sicher fühlen. Besonders bei Kindern und traumatisierten Personen ist das Hauptanliegen, diese so schonend wie möglich durch ein Strafverfahren zu bringen.

Die psychosoziale Prozessbegleitung umfasst die Vorbereitung der Opfer auf ein Verfahren und die mit ihm verbundenen emotionalen Belastungen, sowie die Begleitung zu Vernehmungen bei Strafverhandlungen. Die juristische Prozessbegleitung umfasst die rechtliche Beratung und die Vertretung durch eine/n Rechtsanwalt/-anwältin.

Von 1995 bis Dezember 2005 wurden von der Interventionsstelle Steiermark 6214 Gewaltopfer (großteils Frauen und mitbetroffene Kinder) betreut. (red)

  • Ängste vor einer Strafverhandlung abbauen helfen, informieren, begleiten: Das sind die Eckpfeiler der Prozessbegleitung.
    foto: gewaltschutzzentrum interventionsstelle
    Ängste vor einer Strafverhandlung abbauen helfen, informieren, begleiten: Das sind die Eckpfeiler der Prozessbegleitung.
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