Mit Karpfenschuppen und Linsensuppe

31. Dezember 2005, 20:15
posten

Die Übergangsrituale zum Jahreswechsel sollen Unsicherheiten und Zukunftsangst nehmen

Kein Geld im neuen Jahr? Das muss nicht sein, jedenfalls wenn man einigen Silvesterbräuchen Glauben schenkt. Demnach sorgt das Verspeisen einer Linsen- oder Erbsensuppe dafür, dass niemals das Kleingeld ausgeht. Auch soll ohne Geldsorgen sein, wer sich eine Schuppe des Silvesterkarpfens ins Portmonnaie legt.

Die Brauchtumsexpertin Heidrun Alzheimer-Haller kann allerdings nicht sagen, ob dieser Brauch daher kommt, dass der Karpfen früher oft Mangelware war, oder ob die glitzernde Schuppe an Geld erinnern sollte.

Bräuche markieren für die Menschen das Auf und Ab des Lebens. Sie haben seit jeher für Abwechslung im mitunter tristen Alltag gesorgt und das Jahr nach immer wiederkehrenden Ereignissen geordnet. Silvester ist laut Alzheimer-Haller Symbol für den Jahreslauf. Silvesterbräuche seien Übergangsrituale, die Unsicherheiten und Angst vor der Zukunft nehmen sollten.

Neben dem Wunsch nach mehr Geld hoffen viele zu Silvester auch ihrem Liebesglück im neuen Jahr nachhelfen zu können. Zumindest will man darüber Aufschluss erhalten, ob der Schwarm die Liebe erwidert. Dabei haben sich Orakelbräuche herausgebildet wie das Bleigießen. Dabei wird Blei über eine Flamme geschmolzen und in einer Schüssel mit Wasser geschüttet. Die so entstandene Figur wird gegen Kerzenlicht gehalten. Der Schatten soll Hinweise auf die Zukunft geben. Erkennt man darin etwa ein Beil, wird es eine Enttäuschung in der Liebe geben, eine Maus verspricht eine heimliche Liebe und mahnt zur Sparsamkeit.

Um die Liebe nicht einschlafen zu lassen, tragen Frauen in Spanien und Italien zum Jahreswechsel rote Dessous. So soll Amor auf die Sprünge geholfen werden. Viel Glück verspricht ein besonderer Brauch in Spanien: "Um Mitternacht steckt sich jeder mit jedem Glockenschlag eine Weintraube in den Mund", sagt Alzheimer-Haller. Erst beim zwölften Schlag dürfen die Trauben heruntergeschluckt werden.

Die verbreitete Formel, sich zum Jahreswechsel einen "guten Rutsch" zu wünschen, leitet sich ihr zufolge wohl aus dem hebräischen Wort für Jahresanfang, 'Rosh Shana' ab. Im Jiddischen wurde aus 'Rosh' ein Rutsch. "Prosit Neujahr" enthält dagegen das lateinische prosit, "es möge gelingen".

Böller und Raketen zum Jahreswechsel sind laut Alzheimer-Haller einfach ein Ausdruck der Freude. Dagegen gebe es für die im 19. Jahrhundert von Jacob Grimm verbreitete These, dass mit der Knallerei nach germanischem Vorbild Geister vertrieben werden sollten, keine Beweise. (apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.