OÖ: Schularzt soll Mädchen missbraucht haben

30. Dezember 2005, 13:52
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Staatsanwaltschaft hat nach Anzeigen der Eltern gerichtliche Vorerhebungen eingeleitet

Linz - Ein oberösterreichischer Amts- und Polizeiarzt steht im Verdacht, junge Patientinnen missbraucht zu haben. In seiner Tätigkeit als Schularzt für Pflichtschulen soll der Mediziner sich in vier Fällen Mädchen bei Untersuchungen unsittlich genährt und sie auch begrapscht haben.

Die zuständige Staatsanwaltschaft hat nach den Anzeigen der Eltern gerichtliche Vorerhebungen eingeleitet. Derzeit laufen die Untersuchungen, erst nach den Befragungen der mutmaßlichen Opfer Mitte Jänner könne man mehr sagen, hieß es am Donnerstag vonseiten der Staatsanwaltschaft.

Bereits vor einem Jahr erste Missbrauchsvorwürfe

Brisant ist, dass bereit vor rund einem Jahr erste Missbrauchsvorwürfe auftauchten. Nachdem diese Verdachtsmomente laut wurden, schaltete sich im Dezember 2004 die zuständige Mitarbeiterin des oberösterreichischen Landesschulrates ein.

Nach Gesprächen mit dem Mediziner einigte man sich damals darauf, dass zwar "alles in Ordnung" sei, der Mann aber seine Tätigkeit als Schularzt beenden sollte. Passiert ist dies aber erst mit Beginn des heurigen Schuljahres. Bereits im Juli kam es dann erneut zu Beschwerden über Übergriffe. Öffentlich wurden die Vorwürfe erst, als sie jetzt von einem VP-Mandatar auf die Tagesordnung im Gemeinderat gebracht wurden.

"Rüder Ton" in Praxis

Die Untersuchungen fanden alle im Rahmen eines Arzt-Checks für Sportwochen in einer Praxis außerhalb der Schule statt. Laut einem Informanten, der ungenannt bleiben will, hätte in der Praxis ein "rüder Ton geherrscht". Jenen Mädchen, die sich weigerten, ihren BH auszuziehen, sei - so der Insider - von Arzthelfern "rasch klar gemacht worden, dass so der Herr Doktor nie sein O.K. zur Sportwoche geben wird".

Der Arzt selbst war zu keiner Stellungnahme bereit. Auch der Anwalt des Mediziners war trotz mehrmaliger Versuche am Donnerstag nicht erreichbar. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Dezember 2005)

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