USA ordnen Abschiebung des mutmaßlichen KZ-Wächters Demjanjuk an

30. Dezember 2005, 15:35
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85-Jähriger soll in die Ukraine ausgewiesen werden

Washington - Ein US-Einwanderungsgericht hat am Mittwoch die Abschiebung des ehemaligen mutmaßlichen KZ-Wächter John Demjanjuk in die Ukraine angeordnet. Im Juni hatte ein Bundesrichter bereits entschieden, dass Demjanjuk ausgewiesen werden kann, weil der gebürtige Ukrainer während des zweiten Weltkrieges an der Nazi-Verfolgung von Menschen aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen beteiligt gewesen sei und dies bei seiner Einreise in die USA verschwiegen habe.

Unter anderem wegen seiner Rolle bei der Ausbeutung und Vernichtung der Juden im von Deutschen besetzten Polen war ihm bereits in einem früheren Verfahren die US-Staatsbürgerschaft entzogen worden. Ein US-Bundesgericht hatte bereits 2002 geurteilt, es gebe genügend Beweise dafür, dass Demjanjuk Wächter in den Konzentrationslagern Sobibor, Majdanek und Flossenbürg gewesen sei. Demjanjuk hat dies stets bestritten und angegeben, Dienst in der sowjetischen Armee getan zu haben. Die meiste Zeit des Kriegs sei er jedoch Gefangener der Deutschen gewesen. Demjanjuk lebt derzeit in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio.

Der 85-Jährige kämpft seit fast drei Jahrzehnten darum, in den USA bleiben zu können. Er kann gegen die Gerichtsentscheidung binnen 30 Tagen Rechtsmittel einlegen. Demjanjuk kam 1952 in die USA und erhielt 1958 die Staatsbürgerschaft. 1981 wurde sie ihm erstmals aberkannt, nachdem ein Gericht geurteilt hatte, Demjanjuk sei der als "Iwan, der Schreckliche" bekannte Aufseher, der im Vernichtungslager Treblinka an der Ermordung von Juden mitgewirkt habe.

Er wurde 1986 nach Israel deportiert und dort zum Tod verurteilt. 1993 hob das Oberste Gericht Israels das Urteil auf, nachdem die Staatsanwaltschaft aus russischen Quellen erfahren hatte, dass möglicherweise eine Verwechslung vorliegt. Einwanderungsrichter Michael Creppy urteilte nun, es gebe keine Hinweise, die Demjanjuks Behauptung stützten, er würde im Falle einer Abschiebung in der Ukraine gefoltert werden. (APA/Reuters/AP)

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