Porträt: Pragmatiker aus Leidenschaft

16. März 2006, 17:04
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Planungsstadtrat Rudi Schicker ist kein Visionär - Aber jemand, der umsetzen will, was andere vor ihm großzügig entwarfen

Wien - Manchmal ist es nicht so leicht, das auslösende Moment einer Leidenschaft zu ergründen. Und der Wiener Planungsstadtrat Rudi Schicker sammelt sie leidenschaftlich, die Karikaturen. Aber warum und seit wann? "Ich hab' einmal angefangen und sammle sie in einer Mappe", erklärt der Stadtrat. Einfach so. Die Lieblingsstücke werden in einem persönlichen Eck im Büro aufgehängt. Das ist so ziemlich die einzige persönliche Note im korrekt aufgeräumten Arbeitsraum.

Und dann gibt es noch eine Karikatur, auf der Peichl "meine Bergsteigleidenschaft mit der Stadt kombiniert hat". Das ist die ganze Spannweite. Der Beruf des gelernten Stadtplaners - und eine weitere Leidenschaft, die für's Bergsteigen. Die ist weit einfacher zu ergründen: "Mit sieben Jahren hat mich mein Vater zum ersten Mal auf einen Fast-Dreitausender mitgenommen."

Gelegentlich lässt sich dann auch beides verbinden, das Berufliche und das Private - etwa wenn die Naturfreunde demnächst die erste wettkampftaugliche Kletterhalle von Wien errichten.

"Da hat sich Schicker in den vergangenen zwei Jahren entwickelt", bemerkt VP-Planungssprecher Wolfgang Gerstl. Denn neuerdings präsentiert er durchaus auch Persönliches. Etwa auf der eigenen Homepage schicker.at. Privatfotos von der Familie. Überall - auch in offiziellen Briefen - ist er betont "Rudi", nicht "Rudolf".

Das ursprüngliche Bild des Stadtrates war ein etwas anderes: "Am Anfang gab es fast Schreiduelle im Ausschuss, da ist er gelegentlich ausgerastet - da hat er sicher dazu gelernt", erinnert sich Gerstl.

Von klein auf gelernt

Gelernt hat Schicker von klein auf und zwar eifrig. Ein sozialdemokratischer Klassiker: Einer, der sich über Wissensaneignung von unten hinauf gearbeitet hat. Aufgewachsen im Gemeindebau, Jugendfürsorgerin die Mutter, der Vater bei der Feuerwehr, musste er im Gymnasium Stubenbastei im fremden sozialen Umfeld zum ersten Mal seinen intellektuellen Mann stehen.

Inzwischen ist das Urteil über den studierten Raumplaner (TU-Wien) ein einhelliges: "Persönlich schätze ich ihn sehr", so der FP-Planungssprecher Herbert Madejski. Schicker sei "ein sehr bemühter Sachpolitiker." Aber in Madejskis Augen auch "ein braver Parteisoldat und ein Gefangener der rot-grünen Projekte".

Gerstl: "Ein wahrer Fachmann - dem aber auch ein wenig der politische Gesamtblick fehlt. Ein wenig zu detailverliebt" sei er. Aber auch "sehr emotional, einer der oft nicht versucht, die andere Seite zu sehen".

"Kein Checker"

Auch für die Grüne Planungssprecherin Sabine Gretner ist der Planungsstadtrat "ein sympathischer Verwalter und ein sehr angenehmer Gesprächspartner - aber kein Checker. Keiner, der mutige Visionen hat. Und einer, der von vielen Seiten unter Druck gerät. Er wirkt oft getrieben von Investoren, den Umständen oder den Gesetzen."

Die pragmatische Devise in Schickers eigenem Internet-"Wordrap" lautet auch schlicht "Was zählt: Das Ergebnis." Natürlich ist er alles andere, als der seinerzeitige stadtplanerische Visionär Hannes Swoboda. Aber das liegt aus Schickers Sicht auch an der Zeit. Und die sei eine andere, als damals. "Da war der Aufbruch in Richtung Osten spürbar. Der Wiener Expo-Titel ,Brücken in die Zukunft' wurde längst von der Wirklichkeit überrollt." Inzwischen wurden "die Visionen Wirklichkeit - jetzt gilt es, die Zukunft zu materialisieren".

Auch gelte es "das, was in den späten 90-ern verlangsamt wurde, beschleunigt umzusetzen". Wie die Verbindungen in Richtung Norden und Osten, der Zentralbahnhof oder etwa Wien-Mitte.

Schicker: "Von mir aus sind das die Mühen der Ebene - aber als Volksläufer und Bergsteiger bin ich es gewohnt, einen langen Atem zu haben." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 29. Dezember 2005)

  • Penible Ordnung im Arbeitsraum: Rudi Schicker - seit 2001 Planungsstadtrat von Wien.
    foto: standard/heribert corn

    Penible Ordnung im Arbeitsraum: Rudi Schicker - seit 2001 Planungsstadtrat von Wien.

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