Ringen um Freilassung Chrobogs

31. Dezember 2005, 13:35
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Deutscher Außenminister Steinmeier und Vermittler zuversichtlich: Angelegenheit soll noch vor Jahresende erledigt sein

Berlin/Sanaa - Die Bundesregierung in Berlin und die Regierung des Jemen bemühen sich weiter um eine Freilassung des verschleppten deutschen Ex-Diplomaten Jürgen Chrobog und seiner Familie. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der am Donnerstag seinen Urlaub unterbrach, äußerte sich am Nachmittag zuversichtlich, dass der Fall noch vor dem Jahresende gelöst werde. "Es braucht wie immer Geduld, Zeit und Nerven," sagte der SPD-Politiker.

Die Entführer meldeten über jemenitische Medien, die erste Runde der Freilassungsverhandlungen sei erfolglos geblieben. Zuvor hatten jemenitische Behörden Optimismus verbreitet und den Eindruck bevorstehender Freilassung erweckt. Steinmeier nahm direkten Kontakt mit seinem jemenitischen Kollegen Abu Bakre Al Kirbi auf, teilte das Auswärtige Amt mit. Zwar würden die Chrobogs wie Gäste behandelt, hieß es. Sie gelten offenkundig aber auch als Druckmittel.

Optimismus

Der als Vermittler eingeschaltete Stammesführer Awadh bin el Wasir äußerte sich zuversichtlich. Die Verhandlungen würden wohl nicht lange andauern. Er sei optimistisch, dass die Familie freigelassen werde, sagte er, ohne einen Zeitraum zu nennen.

Nach seinen Angaben beziehen sich alle Forderungen der Geiselnehmer auf eine örtliche Stammesfehde und richten sich an die jemenitischen Behörden. Die jemenitische Justiz solle entweder fünf inhaftierte Angehörige der Entführer freilassen oder aber den Prozess gegen die fünf Männer aus ihrer Heimatregion Shabwa an einen anderen Gerichtsort verlegen.

Die Geiselnehmer vom Stamm Bin Dahha wären seinen Worten zufolge aber auch zufrieden, wenn neben ihren Angehörigen auch fünf Mitglieder des rivalisierenden Stammes Al Maraqscha festgenommen und vor Gericht gestellt würden. Die inhaftierten Bin-Dahha-Mitglieder sollen zwei Angehörige des Al-Maraqscha-Clans getötet haben.

Der 65-jährige Chrobog, der sich in früheren Entführungsfällen als Krisenmanager des Auswärtigen Amts bewährt hatte, seine Frau Magda und die drei erwachsenen Söhne waren am Mittwoch in der östlichen Provinz Shabwa in die Gewalt Bewaffneter geraten.

Es ist der vierte Fall in diesem Jahr, bei dem Stammesangehörige in dem armen Land Touristen entführen, um von der jemenitischen Regierung Gegenleistungen zu erpressen. Zuvor waren Spanier, Schweizer und Österreicher vorübergehend gekidnappt worden. Die nordjemenitische Berg- und Wüstenregion ist bei Touristen beliebt, die die alte Hadramaut-Hauptstadt Shabwa und die Ruinen anderer Städte entlang der alten Gewürzhandelsstraße besuchen.

Vor Weihnachten waren die Österreicher Peter Schurz (52) und Barbara Meisterhofer (31) in der Provinz Marib nahe einer Stelle entführt worden, die als Thron der Königin von Saba bezeichnet wird. Auch in ihrem Fall war ein Krisenstab eingesetzt worden, hohe Beamte wurden nach Sanaa entsandt. Die beiden Ex-Geiseln beschlossen nach erfolgter Freilassung, ihren Urlaub fortzusetzen. (APA/AP)

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