Haiders Mission impossible

28. Dezember 2005, 17:44
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Unklare Positionierung, katastrophale Umfragen und vage Hoffnung auf ein Direktmandat

Wien – Den staatstragenden Wahlkampf-Spot gibt es bereits – allerdings nur im Internet und als DVD. Das Werk mit dem Titel "Der Heimat im Wort" ist ein echter Haider-Starschnitt, aufgepeppt mit patriotischen Österreichbildern im Cinemascope-Format. Er wirkt eine Schuhnummer zu groß fürs BZÖ – zumindest in seiner aktuellen Verfassung mit drei Prozent Zustimmung.

Bei den Orangen gibt man sich dennoch zweckoptimistisch: Jeden Monat ein Prozent dazugewinnen, lautet die Devise, unlängst ausgegeben von Generalsekretär Uwe Scheuch. In eigenen Umfragen läge man bei vier bis fünf Prozent, ein Einzug ins Parlament sei also realistisch. Als Wunschergebnis geben die Orangen großspurig zehn Prozent an.

Intern steht die Marschrichtung für das Wahljahr längst fest, und sie ist ausschließlich regional orientiert: Alle orangen Kräfte werden sich auf die Erringung eines Direktmandats in Kärnten konzentrieren. Denn erhält das BZÖ ein solches, zieht es sicher in den Nationalrat ein und kann sich über das Reststimmenverfahren weitere Mandate sichern.

Die Ausgangslage: Bei den letzten Nationalratswahlen im November 2002 schaffte es die FPÖ in allen vier Kärntner Wahlkreisen nicht, ein Regionalmandat zu erreichen. In den städtischen Wahlkreisen Klagenfurt und Villach verfehlte sie das Ziel deutlich um 7270 und 8904 Stimmen, in den ländlichen Wahlkreisen Kärnten West (Spital-Hermagor-Feldkirchen) und Kärnten Ost (St.Veit-Wolfsberg-Völkermarkt) fehlten ihr 4991 und 3693 Stimmen.

Das klingt auf den ersten Blick nicht nach einer großen Hürde, aber ein Vergleich mit den Wahlen 1995, bei denen Jörg Haider in Kärnten West und Ost ein Grundmandat schaffte, zeigt die Dimension: 1995 erhielt Haider in Kärnten immerhin 32,7 Prozent der Stimmen, 2002 waren es 23,61. In einer Ende November veröffentlichten Umfrage liegt das BZÖ in Kärnten nur bei acht Prozent.

"Wir werden mit aller Kraft arbeiten", motiviert sich Kärntens BZÖ-Landesgeschäftsführer Manfred Stromberger. Nicht zufällig führt auch die 160-Tempo-Teststrecke durch oranges Wahlkampfhoffnungsgebiet. Vier Milliarden Euro werden bis 2010 für den Koralmtunnel nach Kärnten gepumpt.

Angeführt werden soll das Wahlkampfteam jedenfalls von zwei Kärntnern: Haider und Justizministerin Karin Gastinger. Mit welchen Inhalten die Orangen ins Jahr der Entscheidung ziehen,‑ wissen sie selbst noch nicht. Scheuch, offenherzig: Da werde man sich "noch klarer positionieren". (DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2005)

von Barbara Tóth
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