Papst und FPÖ-Volksanwalt gegen Abtreibung

28. Dezember 2005, 15:22
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Benedikt XVI.: Gott sieht bereits Embryos als vollwertige Menschen - Stadler: "Kein Recht auf Abtreibung" - Kritik von SPÖ und Grünen

Vatikan-Stadt - Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch die strikt ablehnende Haltung des Vatikans zu Fragen der Abtreibung und Stammzellenforschung bekräftigt. "Die liebenden Augen Gottes schauen auf den Menschen, der von Beginn an als vollwertig und vollständig erachtet wird", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bei seiner wöchentlichen Predigt vor zahlreichen Gläubigen, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. Aus der Bibel gehe eindeutig hervor, dass Gott bereits den Embryo als vollwertigen Menschen ansehe.

Auf Basis dieser Argumentation nennt der Vatikan Abtreibungen oder Manipulationen an Embryos Straftaten bis hin zu Mord. Benedikt hatte bereits bei der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend betont, dass die Liebe Gottes jedes Kind erreiche, auch das ungeborene.

Ähnlich wie bei der Abtreibung ist der Vatikan auch strikt gegen die Forschung mit Stammzellen. Diese Zellen können unter anderem aus Embryos gewonnen werden, die beispielsweise nach künstlichen Befruchtungen nicht verwendet werden.

"Kein Recht auf Abtreibung"

Auch der umstrittene FPÖ-Volksanwalt sorgt erneut für Aufregung. Auslöser ist eine "Tagung zum Status ungeborener Kinder", zu der Stadler eingeladen hatte. Es sei absolut inakzeptabel, dass Stadler sein Amt dazu missbrauche, den in Österreich unter gesetzlich genau festgelegten Kriterien legalisierten Schwangerschaftsabbruch in Frage zu stellen, zeigte sich SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer empört.

Anlass für die Veranstaltung war eine Entscheidung von Stadler, in welcher der Besuch von Wiener Schülern einer vierten Hauptschulklasse in eine Abtreibungsklinik beanstandet wurde, wie sein Büro mitteilte. Wesentlicher Inhalt der Entscheidung: Nach der geltenden Rechtslage sei ein Schwangerschaftsabbruch auch innerhalb der ersten drei Monate rechtswidrig und ein "Recht auf Abtreibung" bestehe nicht, heißt es in der Aussendung.

Der Schwangerschaftsabbruch ist in Österreich straffrei, wenn er - nach ärztlicher Beratung - in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgt. Dieses Gesetz ist 1974 nach harten Kontroversen nur mit den Stimmen der SPÖ beschlossen worden und am 1. Jänner 1975 in Kraft getreten.

SPÖ: Überschreitet Kompetenzen

"Volksanwalt Ewald Stadler überschreitet wieder einmal seine Kompetenzen und missbraucht sein Amt für parteiideologische Zwecke", so Prammer. Stadler habe als Volksanwalt Missbräuche in der Verwaltung zu prüfen und jenen Menschen Hilfestellung zu geben, die eine mangelhafte bzw. ungerechte Vorgangsweise von Behörden vermuten. Prammer forderte Stadler auf, sich endlich auf seine Arbeit zu konzentrieren und sein Amt "nicht permanent für eigene Zwecke auszunützen".

Der Besuch der Jugendlichen in der Klinik habe zudem einen gänzlich anderen als von Stadler suggerierten Hintergrund: Sie würden hier eine "genaue Aufklärung bekommen" und hätten die Möglichkeit zu einem ersten Kontakt mit einer Gynäkologin. Anders die Argumentation von Stadler: Da sich die Klinik in ihrer Eigendarstellung nicht als gemeinnützig deklariere, könne ein "wirtschaftliches Interesse der Klinikbetreiber an der Durchführung von Abtreibungen und die daraus folgende Gefahr tendenziöser Informationserteilung an die Schüler nicht ausgeschlossen werden".

Die Entscheidung von Stadler sei bei der Tagung vorgestellt worden. Weiters seien bei der Veranstaltung "Fragen des Lebensbeginns und Lebensschutzes aus medizinischer, juristischer, philosophischer und theologischer Sicht" beleuchtet worden, heißt es in der Aussendung. "Ziele der Tagung waren die Darstellung des aktuellen Diskussionsstandes in den jeweiligen Disziplinen, aber auch der gegenseitige Informations- und Erfahrungsaustausch unter Menschen, die für den Schutz Ungeborener, sei es ehrenamtlich oder hauptberuflich, arbeiten".

Grüne Kritik an Stadler

Empört über Volksanwalt Ewald Stadler (F) hat sich am Mittwoch auch die Grüne Frauensprecherin Brigid Weinzinger gezeigt. "Volksanwalt Stadler versucht einmal mehr Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen, zu kriminalisieren. Das ist auf das Schärfste zurückzuweisen", so Weinzinger in einer Aussendung.

Es sei das eine, wenn Stadler seine reaktionäre Position zur Abtreibung öffentlich äußere, das andere sei aber, dass er betroffenen Frauen, die diese schwere Entscheidung getroffen haben, Rechtswidrigkeit unterstelle. "Gerade von einem Volksanwalt würde man sich mehr Korrektheit erwarten", so Weinzinger. (APA/red)

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