Hintergrund: Die wichtigsten palästinensischen Gruppen

30. Dezember 2005, 19:10
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Die radikalsten Israel-Gegner stehen außerhalb der PLO

Ramallah/Gaza - Für den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas wird es derzeit immer schwieriger, sich im eigenen Lager durchzusetzen. Seine Aufforderung an die militanten Gruppen, die Raketenangriffe auf Israel einzustellen, ist von der radikalen Organisation "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami) umgehend zurückgewiesen worden. Immerhin konnte wenige Stunden vor Ablauf der Registrierungsfrist erreicht werden, dass seine zerstrittene Fatah bei der Parlamentswahl im Westjordanland und Gaza-Streifen am 25. Jänner mit einer einheitlichen Liste antreten kann.

Von den zwölf bekanntesten palästinensischen Fraktionen gehören acht der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) an, vier (Hamas, "Islamischer Heiliger Krieg", PFLP-Generalkommando und PLF) stehen außerhalb der PLO.

  • Fatah: Die mit Abstand stärkste PLO-Teilorganisation wurde von Yasser Arafat gegründet. Seit dessen Tod ist Faruk Kaddumi Vorsitzender. (Radikale Fatah-Elemente, die so genannten Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, entziehen sich der Kontrolle durch die Fatah-Führung). Bei den Wahlen 1996 errang die Fatah 50 von 88 Abgeordnetenmandaten.

  • Hamas: Die "Bewegung des Islamischen Widerstandes" entstand 1987 in der ersten Intifada unter Führung von Scheich Ahmed Yassin, sie bestreitet das Existenzrecht Israels und lehnt den Oslo-Friedensprozess ab. Ihr militärischer Arm: die "Ezzedin el-Kassam"-Brigaden. Politischer Führer der Hamas ist Khaled Mechaal (Mashaal).

  • "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami): und kämpft für die "Zerstörung" Israels. Ihr Gründer Fathi Shkaki war 1995 in Malta vom israelischen Geheimdienst Mossad getötet worden.

  • PFLP (Volksfont für die Befreiung Palästinas), von dem Arzt George Habash gegründet, ist marxistisch orientiert; ihr Führer Abu Ali Mustafa (eigentlich Mustafa Sibri) wurde 2001 von Israel "liquidiert".

  • DFLP (Demokratische Front für die Befreiung Palästinas): unter Führung von Nayef Hawatmeh. Sie spaltete sich 1969 von der PFLP ab. Ihre Zentrale ist in Syrien.

  • PFLP-GC ("Volksfront-Generalkommando"): Ultraradikale Splittergruppe von Ahmed Jibril, der sich 1968 von der PFLP abspaltete und aus der PLO ausgeschlossen wurde.

  • "Palästinensische Demokratische Union": unter Yasser Abed Rabbo, Ko-Autor der "Genfer Initiative" mit Israels Ex-Justizminister Yossi Beilin; sie ging 1990 aus einer Spaltung der DFLP hervor.

  • PLF ("Palästina-Befreiungsfront"): spaltete sich 1977 von der PFLP-GC ab und war für den Anschlag auf die "Achille Lauro" 1985 verantwortlich.

  • "Saika": radikale pro-syrische Gruppierung, deren Gründer Zouheir Mohsen 1979 in Cannes in Frankreich von israelischen Geheimdienstleuten erschossen wurde.

  • "Arabische Befreiungsfront": gilt als Ableger des irakischen Flügels der panarabischen Baath-Partei.

  • "Palästinensische Volkskampf-Front": kleine linksgerichtete Gruppe unter Führung von Samir Ghoshe.

  • "Palästinensische Partei des Volkes": kommunistische Partei unter Ghassan Khatib (derzeit Planungsminister).

    (APA)

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