Berri: "Libanon muss für Israels Rückschläge Kopf hinhalten"

29. Dezember 2005, 16:12
1 Posting

Libanesischer Parlamentspräsident: "Komplott" gegen Syrien

Kairo - Der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri hat Israel und den USA vorgeworfen, ein "Komplott" gegen Syrien zu schmieden, für das der Libanon den Kopf hinhalten müsse. Sein Land begleiche die Rechnung für die Rückschläge, die Israelis und Amerikaner in der Nahost-Region hinzunehmen hätten, sagte der schiitische Politiker am Dienstagabend in Kairo anlässlich der Konstituierung des ersten panarabischen Parlaments der Arabischen Liga.

Ziel des israelisch-amerikanischen "Komplotts" sei es, die "politischen und religiösen Spannungen im Libanon anzuheizen und uns das arabische Sicherheitsnetz zu entreißen, damit unser Land wieder zu einem für die Aggressivität Israels offenen Kriegsfeld wird", erklärte Berri, dessen pro-syrische Amal-Partei seit zwei Wochen zusammen mit der Hisbollah die Regierungsarbeit in Beirut boykottiert. Bei jeder "Niederlage" der USA in ihrer Palästina- und Irak-Politik erleide der Libanon Erschütterungen, die seine Existenz gefährdeten, meinte Berri.

Das panarabische Parlament aus 88 Mitgliedern - vier aus jedem Staat - hat keine Entscheidungsbefugnisse und darf nur dann beratend tätig werden, wenn es vom Rat der Könige und Staatschefs darum gebeten wird. Staaten ohne gewähltes Parlament wie Saudiarabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate entsenden Vertreter aus ihren Konsultativorganen. Das panarabische Parlament mit Sitz in Syrien hat provisorischen Charakter und fünf Jahre Zeit, um eine Struktur für ein ständiges Gremium zu entwerfen. Pro Jahr sind zwei Sitzungen geplant.

Die Arabische Liga umfasst 22 Staaten, einschließlich des 1988 von der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ausgerufenen Staates Palästina. (Die PLO war als solche bereits 1976 Vollmitglied der Liga geworden.) Zu den Gründungsmitgliedern - Ägypten, Irak, Jemen, Jordanien, Libanon, Saudiarabien und Syrien - kamen später Algerien, Sudan, Libyen, Marokko, Tunesien, Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Mauretanien, Somalia, Dschibuti (Djibouti) und die Komoren hinzu. (APA)

Share if you care.