Israel beginnt "Operation Blauer Himmel" gegen Raketenbeschuss

30. Dezember 2005, 15:16
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Nahost-Quartett warnt vor Beteiligung der Hamas an palästinensischer Regierung

Tel Aviv - Die israelische Armee hat am Mittwochabend unmittelbar nach Ablauf einer Frist zur Einrichtung einer Pufferzone den Norden des Gazastreifen mit Artillerie beschossen. Zuvor hatten israelische Panzer Stellung an der Grenze zur neu definierten Sicherheitszone bezogen. Vier Wochen vor der Parlamentswahl in den palästinensischen Autonomiegebieten hat das Nahost-Quartett unterdessen eindringlich vor einer Regierungsbeteiligung militanter Gruppen gewarnt.

"Operation Blauer Himmel"

Mit der "Operation Blauer Himmel" will Israel palästinensische Raketenangriffe aus dem Gazastreifen stoppen. Die Palästinenser verurteilten die Operation und sprachen von einer erneuten Besetzung des Gazastreifens. "Israel hat den Gazastreifen verlassen und kein Recht, zurückzukommen", sagte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas am Dienstagabend.

Israel hatte die palästinensischen Sicherheitskräfte zuvor gewarnt, dass jeder, der nach 18.00 Uhr abends (17.00 Uhr MEZ) die etwa vier Kilometer tiefe "Sicherheitszone" im nördlichen Gazastreifen betrete, sein Leben aufs Spiel setze. In der Nacht hatte die Luftwaffe Flugblätter abgeworfen und die Bewohner zum Verlassen des Gebiets aufgerufen. Die "Sicherheitszone" umschließt die Ruinen von drei von Israel geräumten Siedlungen in Grenznähe sowie ein Gebiet östlich davon. Ein Armeesprecher betonte, palästinensische Ortschaften seien nicht betroffen.

Israel will Angriffe unbefristet fortsetzen

Für eine israelische Militäroperation zur Durchsetzung einer Sperrzone für Palästinenser im nördlichen Gazastreifen gibt es nach offiziellen Angaben keine Zeitbegrenzung. Auf die Frage, wie lange die Operation mit der Bezeichnung "Blauer Himmel" andauern solle, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Ehud Olmert am Donnerstag: "So lange es nötig ist, um sicher zu stellen, dass das Abfeuern von Raketen auf uns abnimmt und verschwindet."

Luftwaffe zerstörte auch Zufahrtsstraßen

In der Nacht auf Donnerstag griff die Luftwaffe auch mehrere Zufahrtsstraßen in den nördlichen Gazastreifen an. Der israelische Armeesender meldete, sechs Verbindungen seien zerstört worden. Die Straßen seien von militanten Palästinensern benutzt worden, die Israel seit Wochen mit Kassam-Raketen beschießen. Bisher gab es keine Berichte über mögliche Opfer. Der Armeesender meldete, seit Beginn der "Operation Blauer Himmel" am Vortag seien keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen worden.

Nahost-Quartett: Nach Wahl kein Platz für Extremisten in Regierung

Seit dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen im September haben Extremisten nach israelischen Angaben mehr als 200 Kleinraketen auf das israelische Grenzgebiet geschossen. Aus dem geräumten Gebiet könnten inzwischen auch Kassam-Raketen auf die israelische Küstenstadt Ashkelon gefeuert werden. Die Armee plant nun im Rahmen der Militäroperation, im Falle neuer Angriffe das Niemandsland von der Grenze aus mit massivem Artilleriefeuer zu belegen und aus der Luft anzugreifen.

Dem zukünftigen palästinensischen Kabinett sollte niemand angehören, der sich nicht zum Existenzrecht Israels und einem "unzweideutigen Ende von Gewalt und Terrorismus" bekenne, hießes in einer am Mittwoch in Washington veröffentlichen Erklärung der "Nahost-Quartett" genannten Vermittlergruppe.

Die Erklärung richtet sich offenkundig gegen die radikalislamische Hamas. Umfragen zufolge kann die militante Gruppe bei der Parlamentswahl am 25. Jänner mit einem guten Ergebnis rechnen. Dem Nahost-Quartett gehören die USA, die EU, die Vereinten Nationen und Russland an. (APA/dpa/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nahe dem Kibbutz Nahal Oz jenseits der Grenze zum Gazastreifen. Die von Israel eingerichtete Sperrzone soll Raketebeschuss verhindern.

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