V steht nicht für Vernunft

7. Juni 2006, 22:46
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Fidler möchte 2007 vorziehen - Das liegt an einer atemberaubenden Ducati - Gluschitsch will ihm nur die Monster lassen - Bike-Vorschau, Teil 3

2005 war ein echt tristes Jahr. Herr Völker riss sich die einzige greifbare Ducati unter den Nagel, um damit seine Leib- und Magengegend Friaul unsicher zu machen. Sie haben in dieser kleinen, bisweilen nicht ganz feinen Motorradkolumne davon gelesen. Ich schaute durch die Finger. Kein italienischer Vau für fid.

Den herbsten Schlag des Jahres freilich versetzten mir die Herrschaften aus Bologna vor wenigen Wochen. Hypermotard 1000.

175 auf das Wesentlichste reduzierte, schlank geformte Kilos, den Auspuff wahrscheinlich extra für Herrn Gluschitsch unter dem Sitz, wobei ich das ja auch sehr gut finde, ansehnliche 100 PS aus dem luftgekühlten 1000-er, den wir etwa aus der Multistrada mögen, wo er 92 Pferde laufen lässt.

Wo liegt also das Problem? Wir müssen bis 2007 darauf warten, um dem KTM-Orange ein kräftiges Rot entgegenzusetzen.

Doch Ducati verspricht Trost. Viel Trost. Hoffentlich kommen wir auch dran. Wunschlisten sind ja nach Weihnachten eher verpönt, aber wir könnten doch schon einen Vorgriff auf Ostern wagen? Geburtstag vielleicht? Sprechen wir doch einfach von einem Pflichtprogramm für diese Rubrik. Und in dem steht ganz oben, wieder einmal,

die Unvernunft.

Diese hohe Tugend der einspurigen und motorisierten Fortbewegung heißt 2006 Monster S4Rs. Die Übersetzung: Der 130 PS starke Testastretta-Motor aus dem Hause Ducati findet ein neues Zuhause im schönsten Naked Bike der Welt. Zweifel daran sind zwecklos, weil falsch.

Ich hatte schon vor der S4R großen Respekt, aber das lag weiland bei den paar Runden in Pannonien bestimmt nur an mangelndem Auslauf nach zerbröseltem Handgelenk.

Vielleicht auch daran, dass zwar ich und mein Handgelenk, aber nach dem Hörensagen die Ducs nicht so richtig vollkaskoversichert sind. Das wollen wir aber auch an der S4Rs nicht bis ins Detail ausloten. An die doppelläufigen, stummeligen Schalldämpfer rechts werd ich mich schon noch gewöhnen, wenn mir der Motor dafür Zeit lässt.

Wer zwei Ventile und Luftkühlung bevorzugt, nimmt das neue Tausendermonster S2R. Den Motor kennen wir aus Multistrada und Supersport, und - hab ich das schon erwähnt? - wir erwarten ihn freudig in der Hypermotard. Die 95 PS reichen für die allermeisten Einsätze vollauf, flüstert die Vernunft.

Apropos: 2006 neu an der sportlichen Reiseducati ST3 ist ABS. Kann nicht schaden. Die ST4 verabschiedet sich in die ewigen Jagdgründe.

Fehlt in unserem Pflichtprogramm der neuen Modelle eigentlich nur noch

das Alter.

Mit dem Alter kokettiert Ducati bei der Retrolinie: 2006 gilt es also die „Sport Classics“ Paul Smart 1000 (herrlich eiförmig verkleidet) und Sport 1000 (nackt mit reichlich unbequem aussehenden Holmhackeln) probezusitzen.

Der Motor ist erfreulicherweise weniger angejahrt: luftgekühlter Desmo 1000 Dual Spark-Motor mit Einspritzung. Wenn Herr Gluschitsch sich anständig benimmt, darf er die auch mal äußerln führen. Damit er mal lernt, was es heißt, das Alter zu ehren. Oder so.

>>>Gluschitsch ist ein Monsterverächter Ducati und ich hatten erst einmal das Vergnügen. Eine 600er Monster durfte ich einen Tag lang zwischen diversen Gastronomiebetrieben der Südsteiermark äußerln führen, um in der Diktion des Herrn Fidler zu bleiben. Mit der Monster hab ich auf der Straße nicht viel gerissen, aber in den Cafés der Gegend war ich für einen Tag der King.

Den Damen scheinen italienische Monster ebenso gut zu gefallen wie meinem Vorredner – solange mir letzterer dann nicht auch seine Telefonnummer mit einen Zwinkern zusteckt, würde ich unter Umständen – hüstel – wieder eine Duc fahren.

Voll retro

Die edelsten Motorräder von Ducati im nächsten Jahr werden eindeutig die Retrobikes sein. Ich bin hin und her gerissen. Ich wüsste nicht um welche der Beiden ich den Lieferanten auf Knien anflehen würde.

Die Verkleidete besticht durch die eiförmige Halbschale (oder den Calimero, wie ich sie zu nennen pflege) mit dem schnörkellosen runden Scheinwerfer, während die nackte mit den Spiegeln am Lenkerende – die im konservativen Leben sicher nicht nur unpraktisch sind, sondern wohl auch ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen werden – herrlicher sind als alle Underseatpipes der Welt zusammen.

Außerdem werden die Retrobikes vor den Schanigärten einen derartigen Eindruck schinden, dass einem die Frauenherzen gleich so zufliegen werden, vielleicht auch weil die geschulter Dame bemerkt, dass es keinen – HAHAHAHA – Soziusplatz gibt und man somit nicht gezwungen wird mitfahren zu müssen. Wozu also noch Monster fahren?

Und noch ein Wort zur Hypermotard: meins, meins, meins!

Ich werde dem Herrn Fidler einen simplen Deal vorschlagen: Er darf die komplette Monsterpalette durchtesten, ich kümmere mich um den Ducatirest. Was soll’s, ich muss ja nicht das schönste Motorrad der Welt fahren. Ich gebe mich auch mit den Ducatis zufrieden, die meinen ansonsten bescheidenen Sexappeal ins Unermessliche steigern, den wir wissen ja: non c´è niente senza sesso. (Gluschitsch&Fidler, derStandard.at, 1.1.2006)

  • Schönes Monster: Die S4Rs.
    foto: werk

    Schönes Monster: Die S4Rs.

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