Hintergrund: Viel Lug und Betrug

27. Dezember 2005, 18:51
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Betrügereien in der Wissenschaft hat es immer gegeben

In den vergangenen Jahrzehnten, so scheint es, ist die Zahl der bekannt gewordenen Fälle gestiegen. Die spektakulärsten:

  • Chemie: Die US-Chemiker Stanley Pons und Martin Fleischmann erklären 1989 das Ende aller Energieprobleme: Sie hätten im Reagenzglas erstmals die "kalte Fusion" geschafft, die Verschmelzung von Wasserstoffkernen ohne sündteuren technischen Aufwand. Ein Jahr lang versuchen Forscher weltweit mit enormen Kosten das Experiment zu wiederholen, bis die beiden zugeben, dass ihr wunderbares Ding doch keine Neutronen produziert, wie sie behauptet haben.

  • Medizin: Die Krebsforscher Friedhelm Hermann und Marion Brach gelten als deutsche Superstars der 1990er, erhielten unzählige Preise, Berufungen und Aufträge. Etwa 30 von ihnen publizierte (und reviewte) Studien enthalten Abbildungen, denen augenscheinlich mit einem Bildverarbeitungsprogramm am Computer nachgeholfen wurde. Viele in Misskredit gelangte Co-Autoren distanzieren sich mit der Ausrede, sie hätten nichts von den Studien gewusst, seien "ehrenhalber" erwähnt worden.

  • Physik: Der deutsche Physiker Jan Hendrik Schön narrt vier Jahre lang die Wissenschaft und verspricht eine Revolution in der Elektronik. 2002 muss Science acht seiner Arbeiten zurückziehen. 16 von 24 Publikationen sind gefälscht, passierten jedoch die Kontrollsysteme, weil der Name des Co-Autors als Garant genommen wurde: Bertram Batlogg von den Bell Labs. (fei/DER STANDARD, Printausgabe 28.12.2005)
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