Kopf des Tages: Der Gute als Unternehmer und Millionär

27. Februar 2006, 14:01
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Was für erfolgreiche US-Unternehmer die Garage ist, ist für Michael Gredenberg das Kinderzimmer

Ein Zwölfjähriger steht vor einer Wahrsagemaschine und wünscht sich, groß zu sein. Am nächsten Tag wacht er im Körper eines Erwachsenen auf und muss sich der "richtigen" Welt stellen - als Manager einer Spielzeugfirma.

"Big"

Die Geschichte stammt aus dem Film "Big" mit Tom Hanks, und man muss unwillkürlich an sie denken, wenn man mit Michael Gredenberg zu tun hat, dem 30-jährigen Mitgründer und "Chief Executive Officer" des Internetproviders Inode, der jetzt an UPC Telekabel verkauft wurde. Ein wenig unbeholfen wirkt Gredenberg, wie ein über Nacht zu einem 1,93 Meter großen, etwas linkischen Erwachsenen hochgeschossener Jugendlicher - der jetzt zu den "Neureichen" Österreichs zählt, dessen Inode-Anteil geschätzte 20 Mio. Euro wert ist.

Was für erfolgreiche US-Unternehmer die Garage ist, ist für Gredenberg das Kinderzimmer: Dort, in der elterlichen Wohnung im 13. Wiener Gemeindebezirk, hängt er sich schon in den Achtzigerjahren mit einem nicht genehmigten Modem mit seinem Freund und späteren Inode-Mitgründer Peter Augustin in eines der simplen Mailboxsysteme aus der Urzeit des Internet. Um eine 20.000 Schilling teure Standleitung finanzieren zu können, bleibt fast nichts anderes übrig, als Unternehmer zu werden: Weiterverkauf von Kapazität deckt die Kosten.

Idealismus, Liebe zur Technik, richtige Berater

So einfach, wie diese Geschäftsidee gestrickt ist, hat Gredenberg sein Geschäft mit Idealismus, Liebe zur Technik und den richtigen Beratern zum richtigen Zeitpunkt aufgebaut. Anfangs half die Mutter als Steuerberaterin, später waren es Geschäftspartner aus Graz. Ein Informatikstudium hängt er bald an den Nagel, da Internet an der Uni damals noch ein Fremdwort war.

"Wir sind die Guten"

Kindlicher Idealismus fand auch im Firmenmotto "Wir sind die Guten", das an die Google-Maxime "Nichts Böses tun" gemahnt, seinen Niederschlag. Dementsprechend nahm Gredenberg der Telekom Austria ziemlich übel, dass sie ihm die Domäne "wirsinddieguten.at" wegschnappte. Vor einigen Jahren lehnte er noch ein Übernahmeangebot aus einem relativ simplen Grund ab: An einen "Krawattenträger" - Symbol der "dunklen Seite der Macht" - wollte er nicht verkaufen. Seither hat ihm seine Pressesprecherin beigebracht, dass Krawatten auch ihr Gutes haben können; vor etwas mehr als einem Jahr nahm er Risikokapitalgeber mit langjährigen Internet-Erfahrungen an Bord, die Gredenberg dann mit väterlichem Rat in Richtung Verkauf statt Börse steuerten.

Konkrete Pläne für die Zukunft habe er noch keine, und man ist geneigt, ihm diese Auskunft ebenso abzunehmen wie die Aussage, dass er 1996 nichts anderes wollte, als das Geld für seine Standleitung aufzutreiben. Vielleicht ein Ballonführerschein, ein Jahr Auszeit, dann werde man schon weitersehen. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 28.12.2005)

  • Inode-Gründer Michael Gredenberg hat sein Internet-Unternehmen teuer verkauft.
    foto: standard

    Inode-Gründer Michael Gredenberg hat sein Internet-Unternehmen teuer verkauft.

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