Linke geht mit Hisbollah und Syrien hart ins Gericht

30. Dezember 2005, 15:34
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Kontakte zu syrischer Exil-Opposition - "Kampf gegen Despotismus"

Beirut/Paris - Die libanesische Linke ist erstmals mit der schiitischen Hisbollah und mit Syrien hart ins Gericht gegangen. Die radikale Schiiten-Bewegung sei im Begriff, das Land auf den Weg der "Gefügigkeit" gegenüber Syrien zurückzuführen, erklärte die von Elias Atallah angeführte und zur überkonfessionellen Mehrheitskoalition "Block der Zukunft" von Saad Hariri gehörende "Demokratische Linke" (GD) am Dienstag in einer Erklärung in Beirut. Man trete für einen aufrichtigen Dialog mit der Hisbollah ein und erwarte von ihr, dass sie ihre "Sonderbeziehungen" zu Damaskus in den Dienst des Libanon stelle.

"Entweder findet man sich mit dem alltäglichen Terrorismus ab, oder es gibt eine Blockade", hieß es in der GD-Erklärung in Anspielung auf die den syrischen Geheimdiensten zugeschriebenen politischen Morde und auf den gegenwärtigen Regierungsboykott der schiitischen Minister. Die Linke sei es gewesen, die zuallererst den Kampf gegen Israel geführt habe, "aber wir sind verdrängt worden durch Morde und durch Terrorismus, weil wir uns geweigert hatten, den (antiisraelischen) Widerstand zu einem Instrument des syrischen Regimes zu machen".

"Despotismus, Terrorismus und Morde"

Eine GD-Delegation unter der Leitung von Ziad Majed ist unterdessen in Paris mit den syrischen Oppositionellen Riad al-Turk und Sobhi Hadidi zusammengetroffen, wie die Beiruter Zeitung "L'Orient-le Jour" meldete. Die beiden Delegationen sprachen sich für den gemeinsamen Kampf gegen "Despotismus, Terrorismus und Morde" aus.

Zwei Wochen nach der Ermordung des syrienkritischen libanesischen Journalisten und Parlamentsabgeordneten Gebrane Tueni ist am Dienstag in Beirut ein Verdächtiger festgenommen worden. Der Mann sei einer von drei Syrern, die nach dem Anschlag am 12. Dezember verhört worden seien, wie ein Justizsprecher mitteilte. Der Verdacht stütze sich auf Telefongespräche, die der Festgenommene kurz vor und kurz nach dem Anschlag auf die Wagenkolonne Tuenis geführt habe. Es würden noch weitere Verdächtige verhört, verlautete aus dem libanesischen Justizministerium. (APA)

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