Mikis Theodorakis warnt vor "Geschichtsfälschung"

28. Dezember 2005, 18:12
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Anlass ist ein Resolutionsentwurf des Europarates zur Verurteilung von Verbrechen, die im Namen des Kommunismus verübt wurden

Athen - Der weltberühmte griechische Komponist, ehemalige Widerstandskämpfer und Politiker Mikis Theodorakis hat den Europarat mit scharfen Worten vor Geschichtsfälschung und einer Gleichsetzung von Widerstandskämpfern mit Aggressoren und Kriegsverbrechern gewarnt. Im Namen der gefolterten und ermordeten Kommunisten und KZ-Häftlinge verwahrte sich der ehemalige Parlamentsabgeordnete am Dienstag in einer in Athen veröffentlichten Erklärung gegen einen Resolutionsentwurf des Europarates, der die Verurteilung von Verbrechen, die im Namen des Kommunismus verübt wurden, zum Inhalt hat. Die Parlamentarische Versammlung soll sich im Jänner mit dem von einem rechtsgerichteten schwedischen Abgeordneten eingebrachten Entwurf befassen.

"Big Brother"

Der vorliegende Text sei eine Ankündigung der "Verfolgung künftiger europäischer Kommunisten" nach dem Vorbild des "amerikanischen Big Brother", schrieb Theodorakis, den die Brutalität der deutschen Nazi-Besatzer in seinem Heimatland während des Zweiten Weltkriegs in den kommunistischen Widerstand getrieben hatte. In den Jahren der Militärdiktatur 1967-74 wurde Theodorakis verfolgt, verbannt und ins Gefängnis gesteckt.

Er schuf unter anderem die Musik zu dem Film "Z" von Costa Gavras über die Ermordung des Parlamentariers Grigoris Lambrakis, den Yves Montand darstellte. Der damalige Untersuchungsrichter Christos Sartzetakis (in "Z" von Jean-Louis Trintignant verkörpert), der das politische Verbrechen schonungslos aufzuklären versuchte und dafür unter dem Obristenregime gefoltert wurde, war von 1985 bis 1990 Griechenlands Staatspräsident. Später entstand das berühmte Oratorium "Canto General" zu Texten von Pablo Neruda. Theodorakis setzte sich auch früh für die Friedensbewegung und die türkisch-griechische Versöhnung ein. Sein Werk umfasst neben Opern, Sinfonien und Kammermusik auch 60 Filmmusiken und ungezählte Lieder.

Politische Tätigkeit

Obwohl Leitfigur der Linken, kandidierte Theodorakis 1989 bei den Parlamentswahlen für die (heute regierende) konservative "Neue Demokratie" (ND). 1963 und 1964 war Theodorakis auf der Liste der Vereinigten Demokratischen Linken (EDA) als Abgeordneter der Hafenstadt Piräus ins Parlament gewählt worden und 1985 als Kandidat der Kommunistischen Partei (KKE).(APA)

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