Regierung plant Gleichstellungsgesetz

27. Dezember 2005, 12:40
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Bevölkerung 2005 seit Kriegsende dramatisch geschrumpft - Maßnahmenpaket soll Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern

Tokio - Angesichts eines dramatischen Geburtenrückgangs plant die japanische Regierung ein Gleichstellungsgesetz zur Förderung von Frauen und Familien. Das Kabinett von Ministerpräsident Junichiro Koizumi gab grünes Licht für ein Maßnahmenpaket, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern soll. Insbesondere sollen Teilzeitstellen gefördert werden. Ziel ist es zudem, mehr Frauen in Management-Positionen und Lehrerstellen zu bringen.

Rekordtief

Unmittelbar vor der Entscheidung war bekannt geworden, dass die japanische Bevölkerung in diesem Jahr erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg geschrumpft ist. Die Zahl der Einwohner belaufe sich nunmehr auf 127,76 Millionen und damit 20.000 weniger als im Vorjahr, teilte das Innenministerium mit. In den vergangenen fünf Jahren sei die Bevölkerung zwar insgesamt um 830.000 Menschen gewachsen; die Wachstumsrate befinde sich mit 0,7 Prozent jedoch auf einem Rekordtief. Die Regierung hatte vor zwei Wochen erklärt, die Bevölkerungszahl werde voraussichtlich ab 2006 - und damit ein Jahr eher als bisher angenommen - sinken. Nun ist diese Entwicklung offenbar noch früher eingetreten.

Sozialsysteme

Japan hat die gleichen demografischen Probleme wie Deutschland. Die Geburtenrate liegt bei einem Rekordtief von statischen 1,3 Kindern pro Frau. Zudem empfinden junge Japaner Kinder zunehmend als Belastung für ihre berufliche Karriere. Der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt droht wie in Deutschland und Italien ein Kollaps der Sozialsysteme. Falls sich die Geburtenrate nicht wieder erhöht, wird nach Einschätzung der Regierung die japanische Bevölkerung im Jahr 2100 nur noch halb so groß sein wie heute.

Kaiser Akihito hatte zuvor die Rolle der Frauen besonders gewürdigt, ohne direkt auf die Bestrebungen, die weibliche Thronfolge einzuführen, Bezug zu nehmen. Das Parlament soll sich im Jänner mit einer Änderung des Thronfolgegesetzes aus dem Jahr 1947 befassen, das die weibliche Erbfolge nicht zulässt. Nach Umfrageergebnissen hätte die große Mehrheit der japanischen Bevölkerung nichts gegen eine Frau auf dem 2600-jährigen Chrysanthementhron. Eine von Ministerpräsident Koizumi einberufene Konsultativkommission hat dafür plädiert, dass die 2001 geborene Prinzessin Aiko, Enkelin von Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko, die Möglichkeit erhalten soll, Kaiserin zu werden. (APA/AFP)

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    Japans Regierung plant ein Gleichstellungsgesetz zur Förderung von Frauen und Familien.

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