Nadia Bakhurji: Kämpferin für Frauenrechte

27. Dezember 2005, 11:20
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Die saudische Geschäftsfrau tritt für ein öffentliches Amt an - und ihre Chancen stehen nicht schlecht

Nadia Bakhurji ist eine beharrliche Frau. Pragmatisch und unaufgeregt versucht sie es wieder und immer wieder: bei Wahlen antreten zu können und die saudi-arabische Gesellschaft mitzugestalten. Diesmal stehen ihre Chancen gut. In Saudi-Arabien können die Ingenieure ihre Gewerkschaftsvertreter erstmals frei wählen, die 37-jährige Innenarchitektin kandidiert als einzige Frau für einen Sitz im zehnköpfigen Vorstand der Interessenvertretung.

"Ich bin keine radikale Person", wird Bakhurji nicht müde zu betonen, "aber niemand wird uns Frauen unsere Rechte auf dem Tablett servieren - wir müssen schon selbst aktiv werden."

Nach einem Architekturstudium in Großbritannien eröffnete sie vor 14 Jahren in ihrer Heimatstadt Riad ihre eigene Firma für Innendesign. Unterstützt wurde Bakhurji dabei von ihrem Vater. Auf Widerstand stieß sie damals vor allem bei den heimischen Banken, die kein Interesse daran gezeigt hätten, einem kleinen Betrieb auf die Beine zu helfen, wie sie sagt. "Ich habe mich in einer männerdominierten Gesellschaft durchgesetzt, es war eben nur ein bisschen schwieriger." Wenn sie drei Aufträge erhalte, bekämen Männer in der gleichen Zeit eben zehn.

Denn auch als erfolgreiche Unternehmerin darf sie nicht alleine zu Geschäftsessen in Restaurants; für die Anmeldung eines Mobiltelefons braucht sie die Erlaubnis ihres Ehemannes. Nicht einmal Autofahren ist ihr gestattet - obwohl sich das vielleicht ändern könnte. Der saudische Kronprinz hat laut über ei- ne Fahrerlaubnis für Frauen nachgedacht: "Wenn Väter, Ehemänner und Brüder uns bitten, Frauen Auto fahren zu lassen . . ."

In einer Gesellschaft wie der saudi-arabischen, in der strikte Geschlechtertrennung herrscht und in der die Männer die verhüllten Frauen "unsere schwarzen beweglichen Objekte" nennen, braucht die zweifache Mutter ohnehin eine hohe Frustrationsschwelle.

Als Bakhurji gemeinsam mit fünf anderen Frauen bei den Kommunalwahlen im Februar dieses Jahres antreten wollte, wurde ihnen die Kandidatur mit fadenscheinigen Begründungen untersagt. Man verfüge nicht über die entsprechende Ausstattung wie Wahllokale für Frauen, argumentierte man von offizieller Seite. "Ich war nicht überrascht, aber ich war enttäuscht", räumt Bakhurji, die Umweltschutz und Jugendliche ins Zentrum ihrer politischen Arbeit stellen wollte, ein. Immerhin, drei Monate später wurden zwei Frauen in den Verwaltungsrat der Industrie- und Handelskammer von Jiddah gewählt.

"Ich glaube an mein Land und blicke positiv in die Zukunft", sagt Bakhurji. Immerhin hätten ihr viele Männer gesagt, dass sie sie wählen würden. "Und das ist doch sehr ermutigend, oder?" (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.12.2005)

Von Bettina Fernsebner-Kokert
  • Nadia Bakhurji, eine ruhige Kämpferin für Frauenrechte
    foto: der standard
    Nadia Bakhurji, eine ruhige Kämpferin für Frauenrechte
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