Albaner in Südserbien fordern Autonomie

29. Dezember 2005, 11:27
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Junktim mit Kosovo-Statusverhandlungen

Die Albaner im Presevo-Tal in Südserbien würden "genau" die gleichen Rechte und den gleichen Autonomiestatus fordern wie die Serben im Kosovo, erklärte Ragmi Mustafa, Vorsitzender der albanischen "Demokratischen Partei" am Sonntag. Für die mehrheitlich von Albanern bewohnten, an den Kosovo grenzenden Gemeinden Bujanovac, Medvedja und Presevo verlange man größere Befugnisse in Bildungswesen und Wirtschaft, die Verwendung albanischer nationaler Symbole und eine Demilitarisierung und Dezentralisierung der Region.

Es sei nur gerecht, dass die albanische Frage in Südserbien gleichzeitig mit dem Status der serbischen Minderheit im Kosovo gelöst werde, meinte Mustafa im Namen aller albanischen politischen Parteien aus dem Presevo-Tal. Veton Suroi, Mitglied des albanischen Verhandlungsteams für den Status des Kosovo, werde der "Botschafter" der Albaner aus Südserbien sein und deren Interessen vertreten. Von den Ergebnissen der Verhandlungen zwischen Belgrad und Prishtina über den zukünftigen Status des Kosovo, so Mustafa, werde die Entscheidung der Albaner aus dem Presevo-Tal abhängen, ob sie weiterhin im serbischen Staatsverband leben wollten.

Erst vor wenigen Jahren wurde die militante albanische Organisation "Befreiungsarmee von Bujanovac, Presevo und Medvedja" (U¸CPMB) aufgelöst, die eine Angliederung der Region an einen "unabhängigen" Kosovo forderte. Die serbische Regierung amnestierte alle Mitglieder der U¸CPMB, die mit der "Kosovo-Befreiungsarmee" (U¸CK) verbunden war. Trotzdem wagt es die serbische Polizei nicht, Patrouillen in einzelne albanische Dörfer zu schicken.

Die jüngsten Ansprüche der Albaner in Südserbien seien mit der Regierung in Prishtina abgesprochen, für Belgrad inakzeptabel und würden die Verhandlungen über den Status des Kosovo zusätzlich belasten, heißt es in serbischen Regierungskreisen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.12.2005)

Von Andrej Ivanji aus Belgrad
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