Erneut ausländischer Student in St. Petersburg ermordet

29. Dezember 2005, 20:23
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28-Jähriger aus Kamerun auf offener Straße erstochen - Serie von rechtsextremen Gewalttaten

Moskau - Nach einer Serie von Gewalttaten gegen ausländische Studenten in Russland haben mutmaßliche Rechtsextreme in St. Petersburg einen Mann aus Kamerun ermordet. Der 28-Jährige, der am Samstag vor seinem Wohnheim auf offener Straße erstochen wurde, war das vierte Todesopfer rassistischer Gewalt gegen Studenten in diesem Jahr. Im Unterschied zu früheren Fällen ermittle die Justiz dieses Mal wegen Mordes aus Rassenhass, berichteten russische Medien am Montag. Die Polizei müsse entschiedener gegen rechtsradikale Schläger vorgehen, forderte die Bürgerrechtlerin und Präsidentenberaterin Ella Pamfilowa.

Bei dem jüngsten Angriff in St. Petersburg hatte eine Gruppe von etwa zehn russischen Jugendlichen den Wasserbau-Studenten aus Kamerun attackiert. Ein Student aus Kenia sei dabei schwer verletzt worden. Zwei weitere dunkelhäutige Studenten hätten in ihr Wohnheim flüchten können. Nach Medienberichten hatte es Mitte November eine Schlägerei zwischen Studenten aus Kamerun und mehreren Russen gegeben.

Die Internetzeitung "Newsru.com" listete für 2005 mehr als 40 Angriffe auf ausländische Studenten auf, von denen viele schwer verletzt worden seien. In St. Petersburg war am 15. Dezember ein Schüler aus Aserbaidschan und am 13. Oktober ein Student aus Vietnam getötet worden. In der südrussischen Stadt Woronesch hatten Rechtsgerichtete am 9. Oktober einen Studenten aus Peru erschlagen und einen weiteren Peruaner und einen Spanier verletzt.

Die Zahl ausländischer Studenten in St. Petersburg sei wegen der Übergriffe stark gesunken, hieß es. In vielen Fällen gehe die Polizei von Rowdytum aus, der rassistische Hintergrund der Überfälle werde oft verkannt, kritisieren russische Medien. Rechtsradikale Skinheads erhielten vor Gericht sehr milde Strafen. Seit sowjetischen Zeiten studieren in Russland viele Ausländer aus der Dritten Welt. Die Russen verdächtigen die fremdländischen Studenten, mit Drogen zu handeln. (APA/dpa)

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