Studie zur Stammzellen­forschung möglicherweise komplett gefälscht

27. Dezember 2005, 11:24
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Agentur Yonhap: Es gibt keine einzige von Hwang maßgeschneiderte Stammzelle

Seoul - Im Manipulationsskandal um den südkoreanischen Klonforscher Hwang Woo Suk herrscht weiter Ungewissheit über die Existenz maßgeschneiderter geklonter Stammzellen. Die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete am Montag unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, Hwang habe seine gefeierte Studie über embryonale Stammzellen, die das Erbgut kranker Menschen tragen sollen, möglicherweise komplett gefälscht.

Das hätten erste DNA-Tests ergeben, die von einer Untersuchungskommission der Seouler Nationaluniversität in Auftrag gegeben worden seien. Die Universität wollte die Angaben nicht bestätigen. Die vollständigen Untersuchungsergebnisse könnten frühestens nächste Woche bekannt gegeben werden.

Genetischer Fingerabdruck

Hwang wurde bereits der Daten-Fälschung für mindestens neun von elf Stammzell-Kulturen überführt, über die er im Mai im Fachjournal "Science" berichtet hatte. Wie seine Universität in der vergangenen Woche mitteilte, hätten nur zwei Stammzell-Linien zum Stichtag 15. März existiert, als Hwang seine Arbeit einreichte. Die Hochschule hatte verschiedene Labore damit beauftragt, die Echtheit von patientenspezifischen Stammzellen durch genetische "Fingerabdrücke" zu überprüfen.

Der einst in seinem Land als Nationalheld verehrte Hwang hatte sich für die Manipulationen entschuldigt und sein Professorenamt zur Verfügung gestellt. Er blieb jedoch dabei, tatsächlich geklonte Stammzellen von Patienten geschaffen zu haben. Ziel der Stammzell-Forschung ist es, eines Tages mit dem so genannten therapeutischen Klonen Schwerkranke heilen zu können. In Deutschland ist das Verfahren zur Gewinnung embryonaler Stammzellen verboten.

Die neunköpfige Kommission der Seouler Nationaluniversität soll außerdem andere Arbeiten des 53-jährigen Tiermediziners überprüfen. Hwang und seinem Team war es nach eigenen Angaben vom vergangenen Jahr zuerst gelungen, Stammzellen aus einem geklonten Embryo zu isolieren. Auch stellte Hwang in diesem Jahr den ersten geklonten Hund vor, bei dem es sich um die vollständige genetische Kopie eines Afghan-Windhundes handelte.

Nach dem Fälschungsskandal um Hwang befürchten Wissenschafter einen Rückschlag für die gesamte Stammzellen-Forschung. "Das Forschungsfeld ist um Jahre zurückgeworfen worden", sagte der bekannte deutsche Stammzell-Forscher Hans Schöler der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) vom Samstag.

"Ich weiß jetzt nicht mehr, was ich glauben soll", sagte sein Kollege Miodrag Stojkovic von der britischen Universität Newcastle der SZ. Der aus Serbien stammende Mediziner hatte als erster Forscher in Europa menschliche Embryonen geklont, die aber nur wenige Tage überlebten. "Hwangs Fälschungen sind eine große Schande für uns alle, vor allem, weil andere Leute auf dem Gebiet schwer gearbeitet haben."

Voreiliges Handeln werfen Kritiker in den USA auch dem US-Journal "Science" vor. Die Ergebnisse Hwangs seien nicht sorgfältig genug geprüft worden. Das vom weltgrößten Forscherverband AAAS herausgegebene Wissenschaftsblatt hatte die als bahnbrechend eingestufte Veröffentlichung weniger als zwei Monate von Experten begutachten und absegnen lassen. Üblich sind dafür vier Monate. (APA/dpa)

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