Italien: Monti will nicht Chef der Notenbank werden

29. Dezember 2005, 12:53
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Brief an Berlusconi: "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie meinen Namen nicht in Betracht ziehen würden"

Rom - Der ehemalige Wettbewerbskommissar der Europäischen Union (EU), Mario Monti, ist nach eigenen Worten nicht am Chefposten der italienischen Notenbank interessiert. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie meinen Namen nicht in Betracht ziehen würden", schrieb Monti an Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der Brief wurde am Samstag vom Büro des Regierungschefs veröffentlicht.

Berlusconi hatte am Freitag gesagt, Nachfolger des zurückgetretenen Notenbank-Chefs Antonio Fazio werde eine der in den Medien favorisierten Personen sein. Dies sind neben Monti das frühere EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa, der Goldman-Sachs-Manager und früherer Staatssekretär im Finanzministerium, Mario Draghi, sowie der Generaldirektor des Schatzamtes, Vittorio Grilli. Fazios Nachfolger könnte nach Angaben Berlusconis bereits am 29. Dezember nach der Kabinettssitzung bekannt gegeben werden.

In seinem Brief begrüßte Monti die von der Regierung eingeleitete Notenbank-Reformen, die am Freitag vom Parlament verabschiedet wurden. Das Reform-Paket gibt unter anderem der Regierung eine größere Mitsprache bei der Ernennung des Notenbankchefs und begrenzt die Amtszeit des Notenbankgouverneurs auf sechs Jahre. Bisher war für die Nominierung des Notenbankchefs der Aufsichtsrat der Bank von Italien zuständig. Sein Amtszeit war unbefristet.

Fazio war wegen seiner Rolle im Übernahmekampf um die italienische Banca Antonveneta massiv unter Druck geraten und hatte seinen Posten schließlich am Montag geräumt. Ihm werden unter anderem Parteilichkeit, Amtsmissbrauch und Insiderhandel vorgeworfen. (APA/Reuters)

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