Lateinischer Patriarch: Bethlehem "riesiges Gefängnis"

29. Dezember 2005, 16:19
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Über hunderttausend Pilger - Patriarch Sabbah fordert Abbruch der Sperranlage - Abbas nimmt an Messe in der Geburtskirche teil

Bethlehem - Mehr als hunderttausend Pilger haben sich zu Weihnachten auf den Weg zur Geburtsstätte Jesu in Bethlehem gemacht; Die Behörden rechnen damit, dass sich die Zahl der Pilger in der diesjährigen Weihnachtszeit auf 200.000 verdoppeln wird. In den ersten Jahren der Intifada waren es höchstens einige hundert.

Lateinischer Patriarch: Bethlehem sei "riesiges Gefängnis"

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, führte eine Prozession an, die von Jerusalem in das nur acht Kilometer entfernte Bethlehem im Westjordanland führte. Alle Besucher mussten einen Kontrollpunkt der Sperranlage passieren, die Israel entlang des Westjordanlandes baut. "Wir müssen diese Mauern niederreißen und Brücken des Friedens und der Liebe an ihre Stelle setzen", sagte Sabbah. Die Sperranlage habe Bethlehem zu einem "riesigen Gefängnis" gemacht.

Um an der Messe um Mitternacht teilzunehmen traf auch der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Bethlehem ein. Seinem Vorgänger Yasser Arafat hatte Israel es in den vergangenen drei Jahren seines Lebens verwehrt, zur Weihnachtsmesse nach Bethlehem zu fahren.

Vertreter der Stadtverwaltung und Geschäftsinhaber zeigten sich am Samstag erfreut über die große Anzahl von Touristen, die weit über der der vergangenen fünf Jahre liege, seit die zweite Intifada begann. Anders als in den vergangenen Jahren herrschte trotz eines eisigen Regens Feststimmung in der Stadt. Zum ersten Mal seit 1999 wurde sogar wieder ein Weihnachtsmarkt veranstaltet, auf dem Händler Kunsthandwerk und traditionelle Gerichte verkauften.

Strenge Sicherheitsmaßnahmen

Die Feiern finden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt. Nach palästinensischen Polizeiangaben in Bethlehem werden dort 880 Beamte eingesetzt. Ein israelische Armeesprecher sagte, das Militär werde die Ein- und Ausreise nach Bethlehem erleichtern. Soldaten würden im Raum Bethlehem nur im Falle drohender Anschläge operativ tätig.

Der Bürgermeister von Bethlehem, Victor Batarseh, hatte sich vor kurzem darüber beklagt, dass seine Stadt aus der christlichen Welt keine politische oder wirtschaftliche Unterstützung bekomme. "Die militärische Besatzung, die Reisebeschränkungen, Schikanen an den Militärkontrollpunkten und die illegale israelische Mauer um Bethlehem werden zu einem Zusammenbruch unserer Wirtschaft führen", sagte er. Auch den Tourismus, die Haupteinnahmequelle der Stadt, sieht er deshalb gefährdet. (APA)

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    Die Weihnachtsfeierlichkeiten in und vor der Geburtskirche in Bethlehem lockten heuer tausende Pilger und Touristen an.

  • Die Feiern fanden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

    Die Feiern fanden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

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    In der Weihnachtszeit werden insgesamt 30.000 Besucher erwartet.

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