Völkermord in Ruanda - Ermittlungen gegen französische Armee

25. Dezember 2005, 14:23
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Tutsi werfen Soldaten Vergewaltigungen und Morde vor

Paris - Die französische Militärstaatsanwaltschaft hat am Freitag Ermittlungen gegen Unbekannt wegen Komplizenschaft beim Völkermord in Ruanda eingeleitet. Die Ermittlungen richten sich gegen die eigene Armee. Im Februar hatten sechs Angehörige der Tutsi-Minderheit eine entsprechende Klage eingereicht. Die sechs waren im November zuvor in Ruanda von Ermittlungsrichterin Brigitte Raynaud vernommen worden.

Sie werfen französischen Soldaten vor, während des Massakers an den Tutsi im Jahr 1994 Vergewaltigungen und Morde begangen zu haben sowie tatenlos ihnen schutzbefohlene Flüchtlinge den Hutu-Milizen überlassen zu haben. Staatsanwalt Jacques Baillet ließ jedoch nur zwei der Klageführer zu; die vier könnten keinen "direkten, persönlichen Schaden" geltend machen.

Die Klagen beziehen sich auf den Zeitraum von Ende Juni bis Ende August 1994, als die französische Armee unter UN-Mandat eine sichere humanitäre Zone im Südwesten Ruandas einrichten sollte. Die Mission war eingebettet in einen militärisch-humanitären Auftrag unter türkischem Kommando.

Bei dem Völkermord 1994 wurden nach UN-Angaben mehr als 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu umgebracht. Ruandas Regierungen werfen Frankreich seit längerem vor, zuvor Hutu-Milizen ausgebildet zu haben. Zum zehnten Jahrestag der Massaker hatte die französische Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie vor einem Jahr Vorwürfe über eine Verstrickung französischer Soldaten als "völlig unbegründet und absolut skandalös" bezeichnet. (APA)

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