Frauen immer bevorzugt

24. Dezember 2005, 12:00
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Bei Zyperns erster und einziger Frauenbank bekommen Gründerinnen so günstige Kredite wie sonst nirgendwo

Das Erfolgsmodell der Cyprus Women's Coop Bank könnte schon bald in ganz Europa Schule machen.

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Eigentlich sind Gründerinnen ja nicht gerade das, was Banker sich unter TraumkundInnen vorstellen: Die Kreditsummen sind meist bescheiden, und obendrein - das lehrt die Erfahrung - können die wenigsten Sicherheiten vorweisen. Die Cyprus Women's Coop Bank schert das alles wenig.

Wenn eine Gründerin zu Zyperns erster und einziger Frauenbank kommt, dann zählen vor allem zwei Dinge: "Die Frau muss Unternehmergeist und eine Vision mitbringen", sagt Präsidentin Artemis Toumazi. Stimmt dann auch noch das Geschäftsmodell, bekommt die Frau ihren Kredit, und seien die Sicherheiten auch noch so gering.

Hohe Kreditausfälle hat die 2000 gegründete Bank deswegen nicht. Bankenchefin Toumazi ist stolz, von allen Genossenschaftsbanken in Zypern sogar die geringste Ausfallsrate überhaupt zu haben. "Wir prüfen ja auch genau, wer wie viel zurückzahlen kann", sagt Toumazi, "und bieten dann maßgeschneiderte Kredite an."

Unschlagbar dürften aber auch die Konditionen für die Gründerinnenkredite sein: Der Zinssatz ist um 0,5 bis ein Prozent niedriger als bei der Konkurrenz, die Laufzeit mit bis zu 25 Jahren extrem lange, die Beratung intensiv und kostenlos: "In unserem Vorstand sitzen Wirtschaftsprofessorinnen, Unternehmerinnen und eine Buchhalterin, die jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn eine Kundin vor einem Problem steht", sagt die 50-jährige Toumazi, die selber jahrelang ein Unternehmen führte. Dabei ist die Frauenbank alles andere als eine karitative, subventionierte Einrichtung. Idee, Initiative und auch das Kapital stammen von Privaten. 350 Frauen (die meisten Mitglieder des zypriotischen Geschäftsfrauenverbandes) wollten einfach nicht mehr hinnehmen, dass ihre Geschlechtsgenossinnen kaum Kredite bekommen, und brachten gemeinsam Eigenkapital von 240.000 Euro auf.

Solidarität in Zahlen

Fünf Jahre später hat die Bank bereits Kredite von insgesamt rund sieben Millionen Euro vergeben und 2004 bereits einen Gewinn von 100.000 Euro erzielt. Wie das möglich ist? Durch den richtigen Mix und die nötige Portion Idealismus.

Die speziellen kostendeckenden Gründerinnenkredite machen nur rund ein Drittel aller vergebenen Kredite aus. Satte Gewinne macht die Bank mit all den Kunden und Dienstleistungen, die auch jede andere Bank mit Voll-Lizenz hat: Sie vergibt an Firmen und Private - Frauen wie Männer - Kredite, bietet Bankkonten und andere Geldgeschäfte zu ganz normalen Konditionen an.

Als Genossenschaftsbank kommt sie zudem mit zwei Filialen und nur sieben MitarbeiterInnen aus, weil ihre Kunden auch bei allen anderen zypriotischen Genossenschaftsbanken ihre Geschäfte erledigen können - und der Vorstand arbeitet, wie Toumazi selber, unentgeltlich.

Entschädigt werden sie durch den Erfolg der Bank. Fünf Jahre nach der Gründung und mehr als 470 vergebenen Gründerinnenkrediten hat sich die Unternehmerlandschaft in Zypern grundlegend gewandelt. Jede fünfte Firma gehört heute einer Frau, vor vier Jahren war es noch jede zehnte. Doch Toumazi will sich damit noch nicht zufrieden geben. Sie träumt davon, dass es die Frauenbank bald auch in anderen europäischen Ländern gibt.

Schon Anfang 2007, wenn es der zypriotischen Bank nach EU-Recht erlaubt ist, ihre Dienstleistungen auch außerhalb Zyperns anzubieten, will sie expandieren. "Am besten wäre es natürlich, wir würden Kooperationspartner finden", sagt Toumazi und verrät auch schon, wo sie diese finden könnte. "In Italien und auch in Griechenland haben einige Geschäftsfrauen schon Interesse gezeigt." (DER STANDARD, Printausgabe 24./25./26.12.2005)

Von Marlene Holzner
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