Pilz und Schwarzenegger - eine Inszenierung

23. Dezember 2005, 19:48
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Noch nie in seiner Karriere wurde der Grün-Politiker so beschimpft, und das gefällt ihm

Wien - "Der Herr Pilz ist eine Schande für Österreich, er sollte sich ein anderes Land suchen, dessen Staatsbürger er werden kann. Seien wir doch froh, dass wir Schwarzenegger haben, in etlichen Filmen wird Österreich erwähnt."

"Würde gern wissen warum jedes kleine Politikerarschloch (also du!) versucht, sich bei Arnold einzumischen. Was er getan hat, war korrekt, wohl überlegt und in Ordnung."

Peter Pilz und die Grünen erhalten viel Post dieser Tage. Und noch nie in seinem Leben ist Pilz derart massiv beschimpft worden. Hunderte Mails sind in den letzten Tagen bei ihm eingegangen, manche haben den Grünen Abgeordneten auch direkt am Telefon erreicht und ihm ihre Meinung so richtig hineingesagt, ganz offen und direkt. Pilz spricht von der "Abteilung Rohrspatzen". Das ganze Wörterbuch der Beleidigungen wurde durchgenommen. Argumentiert wurde hier nicht mehr.

Staatsbürgerschaft aberkennen

Der Vorstoß von Pilz, Arnold Schwarzenegger die österreichische Staatsbürgerschaft abzuerkennen, hat zu einer Flut an Reaktionen geführt, mehrheitlich hellauf empört. Auch die deutsche Bild Zeitung hat bereits genüsslich über Pilz berichtet, und in den Online-Foren des STANDARD wird so heftig diskutiert wie bei kaum einem anderen Thema.

Auch die Schwiegermutter von Pilz ist sauer. Schwarzenegger die Staatsbürgerschaft aberkennen zu wollen, das gehe nun doch etwas zu weit.

Aber Pilz bleibt dabei. Und scheint fast so, als suhle sich der Grün-Politiker in der Empörung, die er ausgelöst hat.

"Wir können die Todesstrafe in Kalifornien nicht verhindern, aber wir können verhindern, dass daran Österreicher beteiligt sind", wiederholt Pilz jederzeit gerne. Nicht Österreich entscheide sich gegen Schwarzenegger, argumentiert er seinen Vorstoß, "Schwarzenegger hat eine Entscheidung gegen unsere Rechtskultur und gegen das Völkerrecht getroffen".

"Nur Gesetze befolgt"

Schwarzenegger habe nur Gesetze befolgt, argumentierten die wenigen, die immerhin noch Argumente benutzten. Pilz wundert sich rhetorisch: "Viel Leute glauben immer noch, zuerst kommt das Recht der Staaten, dann erst das Recht der Menschen."

Menschenrechte seien nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verpflichtung. Ein bisschen Pathos darf bei dieser Inszenierung nicht fehlen: "Menschenrechte sind keine Möglichkeit, sie sind eine Verpflichtung. Es ist meine Aufgabe, nicht nur als Abgeordneter, sondern als Mensch, mich hier einzumischen."

Der mediale Niederschlag beflügelt zweifellos Pilz' Verpflichtung, sich einzumischen. Auf die vielen Briefe und Mails mit der verärgerten Frage: "Ja, habt ihr nichts besseres zu tun?" antwortet Pilz: "Es gibt wenig Besseres, als sich für die Menschenrechte einzusetzen." Allerdings muss die Inszenierung passen. Dank Schwarzenegger passt sie. (Michael Völker, DER STANDARD - Printausgabe, 24./25./26. Dezember 2005)

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