Platter reist mit Geschenken und Gitarre in den Kosovo

27. Dezember 2005, 14:59
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Der Verteidigungsminister besuchte die österreichischen Soldaten - und zahlt eine außertourliche Belohnung aus. Dann wird gesungen.

Wenn ein Minister zu einem Truppenbesuch kommt, bringt er üblicherweise ein Geschenk mit. Eine Plakette macht sich meistens gut. Zu Weihnachten darf es auch einmal etwas Größeres sein - ein Videobeamer für den Fitnessraum vielleicht.

Zur Weihnachtsfeier im Camp Casablanca, der Basis für den Bundesheereinsatz im Kosovo, hat Verteidigungsminister Günther Platter beides mitgebracht - und dazu ein Präsent im Wert von rund einer Million Euro: Für jene Soldaten, die im Rahmen des Kommandos Internationale Einsätze (KIOP) ihre Verpflichtung abgegeben haben, gibt es eine außertourliche Belohnung in Höhe von 17,5 Prozent ihrer Bezüge.

Damit repariert Platter eine sozialversicherungsrechtliche Falle, die sich unbeabsichtigt aufgetan hatte, als die gesetzlichen Regelungen für KIOP beschlossen worden sind: Den über das KIOP-Programm entsendeten Soldaten wurde im Auslandseinsatz deutlich mehr (eben jene 17,5 Prozent) von ihrem Sold abgezogen als ihren Kameraden, die sich etwa aus der Miliz ins Ausland gemeldet hatten. Diese Ungerechtigkeit ist ausgeglichen, das Gesetz soll zudem repariert werden - die Weihnachtsstimmung im Camp ist also intakt.

Das ist nicht nur wichtig, wenn es um das gemeinsame Singen von Rockballaden und Weihnachtsliedern mit dem Minister geht. Denn auch das 13. Kontingent österreichischer Soldaten, die im Kosovo Dienst machen, wird nicht das letzte sein: Der Auftrag an Oberstleutnant Reinhard Kunert und seine mehr als 500 österreichischen Soldaten, den Wiederaufbau des Kosovo und insbesondere die serbische Minderheit in der Umgebung des Dulje-Passes zu schützen, wird auch noch für etliche seiner Nachfolger gelten.

"Derzeit ist es eher ruhig, keine Seite will sich etwas zuschulden kommen lassen, um die Statusverhandlungen über die Zukunft des Kosovo nicht negativ zu beeinflussen", sagt Kunert in seinem Lagebericht: "Es gibt keine offenen Konflikte, auch wenn die serbische Seite behauptet, dass ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt wäre."

Ganz zu trauen ist dem Frieden allerdings nicht. Dass die Gewalt jederzeit wieder ausbrechen könnte, wie zuletzt bei den Märzunruhen 2004, ist allen bewusst. Und die Soldaten des Bundesheeres haben mit vorbereiteten Sperren, Kontrollposten und dem martialischen Auftreten ihrer auf dem Radpanzer Pandur durch die Gegend fahrenden Infanteristen Vorsorge getroffen, dass die Regeln respektiert werden.

Die andere Seite aber sei genauso wichtig, sagt Oberleutnant Thomas Aschauer: Mit einem achtköpfigen Team ist er für die zivil-militärische Zusammenarbeit (CIMIC) verantwortlich. Da kann das Bundesheer mithelfen, eine HTL auf- und auszubauen, kann den Weg für die Errichtung einer Molkerei ebnen und gemeinsam mit der Ordensschwester Johanna Schwab Weihnachtspäckchen an Kinder verteilen. Dass die Mehrzahl dieser Kinder muslimischen Glaubens ist, stört niemanden: Geschenke sind stets willkommen, auch wenn sie von Soldaten kommen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25./26.12.2005)

Conrad Seidl aus Suva Reka
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    Der Minister an der Klampfe und bei guter Laune - gemeinsam mit den österreichischen Soldaten werden im Kosovo Rockballaden und Weihnachtslieder gesungen.

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