Ein bäriges Christkind

24. Dezember 2005, 11:00
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Die erste Geschichte vom liebenswürdigen, tollpatschigen Honigschlecker "Pu der Bär" stand am Heiligen Abend 1925 in der Zeitung

London - Besonders clever ist er nicht und eigentlich auch gar nicht "cool". Vielleicht ist es gerade deshalb so wunderbar, dass "Pu der Bär", der liebenswürdige, tollpatschige Honigschlecker, auch 80 Jahre nach seiner "Geburt" in London immer noch weltweit enorme Popularität genießt. Am Heiligen Abend 1925 brachte so mancher Londoner Familienvater die Abendzeitung "Evening News" mit nach Hause. Darin fand sich eine Geschichte, die Eltern ihren Kindern über Weihnachten vorlasen. Es war die erste veröffentlichte Story über "Winnie The Pooh", wie der kleine Kuscheltyp des Schriftstellers Alan Alexander (A.A.) Milne (1882-1956) in der englischsprachigen Welt heißt.

"Seitdem hat er Generationen begeistert, hat unendlich vielen Kindern Freude und Trost gespendet und einen riesigen Freundeskreis in der ganzen Welt gefunden", sagt die britische Pu-Expertin Cindy Rose von Walt Disney. Der Entertainment-Riese, der längst die Vermarktungsrechte an der Figur hat, will den Pu-Geburtstag fast ein Jahr lang feiern, quasi als Doppeljubiläum mit einem zweiten Gedenktag im Herbst 2006.

Erstes Buch erschien im Oktober 1926

Am 14. Oktober 1926 war nämlich in London auf der Basis der Zeitungskurzgeschichten das erste Buch über den freundlichen Meister Petz erschienen. Seitdem wurden weltweit nahezu 30 Millionen Pu-Bücher verkauft. Seine Abenteuer im "Hundert-Morgen-Wald" konnten und können Kinder und Eltern in mehr als 40 Sprachen nach- beziehungsweise vorlesen. Pu ist in Russland so beliebt wie in Amerika. Er ist der beste Freund kleiner Chinesen ebenso wie von Kindern in Israel oder auch in Deutschland.

Dabei sind die kleinen Abenteuer, die Pu und seine Freunde Ferkel, Tigger, Kaninchen, I-Aah und Kanga - und natürlich der Junge Christopher - erleben, eher unspektakulär. Kinderpsychologen sehen das Rezept für den Erfolg vor allem darin, dass die Schrullen der Knuddelfiguren Kindern helfen, mit den eigenen kleinen Charakter- und Stimmungsunebenheiten fertig zu werden.

Aus dem echten Leben gegriffen

So ist die Furcht vor Unbekanntem und vor eingebildeten Gefahren, mit denen Ferkel seine Freunde nervt, ebenso aus dem echten Leben gegriffen wie Tiggers Eitelkeit oder das vorlaute Getute von Kaninchen und die Niedergeschlagenheit von I-Aah. Natürlich tragen zur Pu-Faszination auch die Illustrationen von Ernest Shepard bei.

Noch ein weiteres Jubiläum will Disney in den kommenden Monaten feiern: 1966, also vor bald 40 Jahren, kamen die ersten Verfilmungen der Pu-Geschichten in die Kinos. Auch sie fanden ein begeistertes Publikum, wenngleich sie den Klassiker-Status der Bücher nicht zu übertreffen vermochten.

Sohn war Milnes Inspiration

Die Inspiration für seine erste Geschichte - und viele folgende - über "Winnie The Pooh" verdankte A.A. Milne seinem Sohn Christopher und dem Spielzeug-Bären namens Edward, den er einst für ihn gekauft hatte. Der Name Winnie wurde von einem Bärenjungen im Londoner Zoo geborgt, das damals tatsächlich auf diesen Namen getauft worden war.

Hartgesottene Pu-Fans sammeln nicht nur die Bücher und Figuren, sondern organisieren auch jedes Jahr Wanderungen durch den "Hundert-Morgen-Wald" (Ashwood Forest) in der südenglischen Grafschaft East Sussex. Familie Milne besaß dort ein Landhäuschen. Geradezu ein Heiligtum ist für die Fans die vor einigen Jahren renovierte alte Holzbrücke, von der aus Pu und Christopher "Pooh sticks" (Baumzweige) ins Wasser warfen. (APA/dpa)

Alan Alexander Milnes "Pu, der Bär" erschien auch als Band 1 der Süddeutschen Jungen Bibliothek
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    Winnie-the-Pooh und der Honigtopf: Original-Gemälde von Illustrator Ernest Howard Shepard aus den 1930er-Jahren.

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